Echt Erzgebirge!
Der Blog rund um Volkskunst, Tradition und die typisch erzgebirgische Lebensart

Wir lieben das Erzgebirge – mit all seinen Schönheiten und Eigenarten. In unserem Blog plaudern wir ein wenig aus dem Räucherhäuschen und teilen unser Wissen rund um Volkskunst, Mundart und Brauchtum.

Typisch Erzgebirgisch: Die beliebtesten Motive der Erzgebirgischen Holzkunst (Teil 2)

Teelicht an Pyramide anzünden

Es weihnachtet sehr: Die erste Kerze brennt, die Schwibbögen strahlen hell und die Räuchermännchen pusten köstliche Düfte in die Luft. Wer noch nicht alle Dekorationen für eine besinnliche Adventszeit zusammen hat, findet die schönsten und beliebtesten Motive der Erzgebirgischen Holzkunst natürlich bei uns.

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Typisch Erzgebirgisch: Die beliebtesten Motive der Erzgebirgischen Holzkunst (Teil 2)

Teelicht an Pyramide anzünden
Teelicht an Pyramide anzünden

Hurra, der Advent ist da! Am vergangenen Sonntag konnte endlich die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet werden. Aus beinahe jedem Fenster strahlen nun die warmen Lichter von Schwibbogen und Weihnachtsstern in die Welt hinaus. Und wer genau hinsieht, der bemerkt schnell, dass sich einige Darstellungen besonders großer Beliebtheit erfreuen – darunter zum Beispiel das Schwarzenberger Motiv, biblische Szenen, Naturmomente und die weltbekannte Seiffener Kirche. Darüber hinaus finden sich aber noch einige weitere Motive außergewöhnlich häufig auf Schwibbogen, Pyramide und Co. wieder:

Das Traumpaar aus dem Erzgebirge: Engel und Bergmann

Holzfiguren Engel und Bergmann

Engel und Bergmann sind die wohl traditionellsten Figuren der Erzgebirgischen Volkskunst. Ihre Verbindung zueinander fußt auf dem emotionalen Verhältnis des Bergmanns zur Helligkeit. Das gefährliche und oft triste Arbeiten unter Tage weckt in ihm die Sehnsucht nach Licht – dem Symbol für Glaube, Glück und Leben. In der Figur des Engels finden diese drei Attribute zusammen. Schon bald nach Beginn der Fertigung von Lichterbergmännern im 19. Jahrhundert folgten deshalb Engelsfiguren, die man ihnen zur Seite stellte.

Auch heute noch beleuchten Engel und Bergmann das Erzgebirge mit den von ihnen gehaltenen Lichtern. Vielerorts ist es Brauch, Engels- oder Bergmannsfiguren als Geburtsgeschenk zu überreichen, damit sie das Kind ein Leben lang mit ihrem Licht begleiten. In der Weihnachtszeit werden diese Engel und Bergmänner dann in das Fenster gestellt – so kann man von außen ablesen, wie viele Mädchen und Jungen zur Familie gehören.

Engel und Bergmann als Holzfiguren »

Die Heimat im Fenster: Städtische Motive

Ob Schwarzenberger Schloss oder Grünhainer Spiegelwaldturm – mit ihrer Heimatstadt und den dazugehörigen Bauwerken sind die Erzgebirger:innen tief verwurzelt. In der Weihnachtszeit zeigt sich diese Verbundenheit besonders deutlich – zum Beispiel als Motiv auf dem Schwibbogen. Viele erzgebirgische und sächsische Städte verfügen über eigene Schwibbögen, die das Stadtpanorama oder wichtige Bauwerke abbilden.

Für alle, die nicht mehr im Erzgebirge wohnen, aber z. B. ihre Kindheit dort verbracht haben, sind Schwibbögen mit Stadtmotiven zudem eine zauberhafte Möglichkeit, sich ein Stück Heimat in das neue Zuhause zu holen.

Schwibbogen mit Stadtmotiv: Panorama von Chemnitz »

Ein Licht erhellt die Welt: Sterne im erzgebirgischen Kunsthandwerk

Herrnhuter Stern gelb

Sie erleuchten den Himmel und strahlen wie kleine Diamanten – Sterne sind Symbole des Lichts, der Spiritualität und Hoffnung. Mit diesen Eigenschaften fügt sich der Stern perfekt in den weihnachtlichen Gedanken ein.

Bereits seit Jahrtausenden dient der Sternenhimmel Seeleuten als Navigationshilfe. In der Geschichte der Geburt Christi ist es der Stern von Bethlehem, durch den die heiligen drei Könige zu ihrem Heiland geführt werden. Und auch heute noch soll ein Stern im Fenster den Betrachtenden sagen: „Hier gibt es Licht und Freude“.

Der Weltstar unter den Adventssternen ist zweifelsohne der Herrnhuter Stern. Zwar wird er nicht im Erzgebirge, sondern in der Nähe von Görlitz hergestellt, nichtsdestotrotz findet man ihn aber auch von Aue bis Zschopau in zahlreichen Fenstern. Sogar die Dresdner Frauenkirche wird in der Vorweihnachtszeit mit einem riesigen Herrnhuter Stern geschmückt – in unserem Online-Shop finden Sie ihn in weitaus kompakteren Formaten.

Herrnhuter Sterne für den Innen- und Außenbereich »

Wenn’s draußen wieder schneit: Wintersport-Szenen aus dem Erzgebirge

Auf dem Fichtelberg liegt kein Schnee? Dann liegt er auch nirgendwo sonst! Das in der kalten Jahreszeit zumeist verschneite Erzgebirge ist zurecht ein echter Hotspot für verschiedenste Wintersportarten. Ob Langlauf, Abfahrt, Skispringen oder Biathlon – viele weltweit erfolgreiche Sportler:innen stammen aus Oberwiesenthal, Klingental und Co. Kaum verwunderlich also, dass ihre Fangemeinde und das Interesse an winterlich-sportlicher Betätigung im Erzgebirge groß sind.

Schon die kleinsten sind hier mit Schlitten, Ski und Schlittschuhen unterwegs, um die unberührte Winterlandschaft in eine lustige Piste zu verwandeln. Entsprechend häufig findet sich das Wintersport-Thema auch in der Erzgebirgischen Volkskunst wieder – zum Beispiel in Schwibbögen oder als Räucherfigur.

Erzgebirgische Holzkunst für jeden Geschmack

Traditionelle Szene oder fröhlich-bunter Winterspaß? Bei uns findet jeder den passenden Schwibbogen! Natürlich gehören auch Räuchermännchen in klassischen und modernen Designs zu unserem Sortiment. Mit der richtigen Beleuchtung und dem einen oder anderen nebelnden Gesellen steht einer gemütlichen Adventszeit nichts mehr im Weg.

Echt Erzgebirgische Weihnachtsdekorationen »

Kleine Engel, große Frauen: Die Erfolgsgeschichte von Margarete Wendt & Olly Kühn

Grünhainicher Engel

Seit mehr als 100 Jahren kennt man den Namen Wendt & Kühn als Hersteller gedrechselter Engelsfiguren auf der ganzen Welt. Ihren Anfang nahm die himmlische Tradition mit zwei Frauen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Ihre Geschichte ist so einzigartig wie jede der Figuren, die noch heute von Hand in der Manufaktur in Grünhainichen bemalt werden.

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Kleine Engel, große Frauen: Die Erfolgsgeschichte von Margarete Wendt & Olly Kühn

Grünhainicher Engel

Frauen, die ein Unternehmen führen – jüngsten Statistiken zufolge sind sie in Deutschland nach wie vor deutlich in der Unterzahl. Bei uns im Erzgebirge ist aber schon immer alles ein wenig anders gewesen. Und so überrascht es kaum, dass es zwei Frauen waren, die mit der weltweit bekannten Volkskunst-Manufaktur Wendt & Kühn eines der erfolgreichsten Unternehmen unserer Region gründeten.

Wir haben uns auf die Spur des erzgebirgischen Traditionsbetriebs begeben – und konnten in seiner Historie neben den beiden Gründerinnen noch weitere Protagonistinnen entdecken.

Zwei Frauen, eine Idee: Die Geburt und Kinderjahre von Wendt & Kühn

Im Jahr 1887 geboren, war Margarete „Grete“ Wendt, Tochter des Direktors der Staatlichen Spielwaren- und Gewerbeschule in Grünhainichen, schon als Kind mit den Abläufen des Drechselns und der Kunst der Holzbearbeitung vertraut. Als eine der ersten Frauen studierte sie von 1907 bis 1911 in der allgemeinen Schülerinnenabteilung an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden – noch ein Jahr früher wäre das nicht möglich gewesen.

Offiziell beginnt die Geschichte von Wendt & Kühn am 1. Oktober 1915 – dem Tag, an dem Grete Wendt und ihre Studienfreundin, die Architektentochter Margarete „Grete“ Kühn, ihren eigenen Betrieb ins Leben riefen. Die Idee hinter dem Unternehmen hatte es aber schon weitaus länger gegeben: Bereits im Jahr 1913 entwarf Grete Wendt eine Figurenserie namens Beerenkinder, die sie wenig später auf der Weltausstellung in Köln vorstellte. Stilbildend für die späteren Figuren war auch der 28er-Engel, den Wendt ihrem Bruder als Aufmerksamkeit zu Weihnachten an die Front schickte. Auch heute, mehr als 100 Jahre später, wird diese Figur noch in Grünhainichen hergestellt.

Bereits im Jahr nach der Unternehmensgründung präsentierten sich Wendt & Kühn mit ihren Produkten auf der Leipziger Messe – und zwar mit großem Erfolg. Aufgrund des Ersten Weltkriegs blieb die Auftragslage aber nicht lange so günstig. Über mehrere Jahre hinweg lag der Fokus des Betriebs tragischerweise vor allem auf der Fertigung von Grabmalen und Grabkreuzen.

Ein neues Gesicht, das Engelsgeschichte schreiben sollte: Olly Wendt wird Gestalterin bei Wendt & Kühn

Margeritenengel

Im Jahr 1919 trat Johannes Wendt als Buchhalter in das Unternehmen ein. Ein Jahr nach ihm erschien eine der bedeutendsten Personen der Unternehmensgeschichte in der Manufaktur: Olga „Olly“ Sommer, Absolventin der Dresdener Kunstgewerbeschule. Zuerst übernahm sie vor allem die Aufgaben von Mitgründerin Margarete Kühn. Diese schied mit ihrer Heirat im Jahr 1920 nämlich aus dem Unternehmen, weil eine verheiratete Frau zu dieser Zeit allein nicht geschäftsfähig war. Um eine Übernahme durch Außenstehende zu verhindern, einigten sich beide Frauen darauf, dass Kühn das Unternehmen verließ – Freundinnen blieben sie aber dennoch ein Leben lang.

Als Gestalterin und langjährige Weggefährtin von Grete Wendt prägte Olly Sommers Handschrift das Aussehen der Figuren maßgeblich – von der farbenreichen Gestaltung der Figuren bis hin zum Entwurf der noch heute beliebten Margeritenengel, eine Hommage an ihre baltische Herkunft.

In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche neue Figuren. Ein besonderer Meilenstein ereignete sich im Jahr 1925 mit dem Entwurf der ersten Grünhainicher Engel. Dabei handelte es sich um drei Figuren, die Fackel, Geige und Flöte in der Hand hielten. Ihre grünen Flügel mit elf kleinen Punkten sind noch heute markentypisch für die Figuren von Wendt & Kühn.

Himmlisch kreativ und international erfolgreich: Wendt & Kühn erlangt weltweite Bekanntheit

Mehr und mehr bildeten Grete Wendt und Olly Sommer, die im Jahr 1930 Johannes Wendt heiratete, den besonderen Stil heraus, der die Figuren auch heute noch einzigartig macht. Ihr Alleinstellungsmerkmal war vor allem, dass sie aus mehreren Drehformen zusammengesetzt wurden. Anders als die Figuren anderer Hersteller, verfügten sie nicht über flache Brettchenarme, sondern runde Konturen – und wirkten deshalb besonders lebendig.

Ein freudiges Ereignis wurde dem Familienunternehmen noch im selben Jahr beschert: Olly Wendt brachte Zwillinge zur Welt. Freilich wusste damals noch niemand, dass mit Sohn Hans Wendt der zukünftige Unternehmensnachfolger geboren worden war.

Die meisten der mehr als 2.500 Figurenentwürfe, Muster und Zeichnungen entstanden in den 20er- und 30er-Jahren. Bis heute wird dieser Schatz in den Gemäuern der Manufaktur in Grünhainichen bewahrt und behütet. 1937 reiste Grete Wendt mit ihrer Engelgruppe mit Madonna zur Weltausstellung nach Paris – und wurde dort mit der Goldmedaille und dem Grand Prix ausgezeichnet. Dieser Erfolg steigerte die internationale Bekanntheit der Engelmusikanten ganz immens, was Grete und Olly Wendt zugleich als Inspiration für neue Entwürfe nutzten. In dieser Zeit entstanden unter anderem die HolländerFiguren, der Luciazug und die Fischfrauen.

Von Freundschaft und Zusammenhalt: Wendt & Kühn im zweiten Weltkrieg und der DDR

Mit dem zweiten Weltkrieg begannen für das Unternehmen schwere Zeiten. Trotz ihres internationalen Erfolgs standen die zarten Figuren zu stark im Kontrast zum nationalsozialistischen Zeitgeist. Hinzu kam ein zunehmender Mangel an Arbeitskräften und Materialien, der die Produktion erschwerte. Die Folge: Einige Jahre lang wurden in der Manufaktur vor allem Modelle von Schiffen und militärischen Fahrzeugen hergestellt – die direkte Beteiligung an der Rüstungsindustrie konnte glücklicherweise abgewendet werden.

Im September 1945 folgte der wohl härteste Schicksalsschlag des Unternehmens: Johannes Wendt wurde in ein Internierungslager verschleppt und starb wenig später in Tscherepowez.

In den weiteren schwierigen Jahren der Enteignung und Verstaatlichung hielt die Engelfamilie fest zusammen. Die Leitung des Betriebs übergab Grete Wendt im Jahr 1957 vertrauensvoll in die Hände von Sohn Hans, der auch unter der Regierung der SED weiter als Betriebsdirektor im Unternehmen bleiben konnte. Während sich Wendt mehr und mehr aus dem Geschäft zurückzog, blieb Olly Wendt bis ins stolze Alter von 87 Jahren Teil der Manufaktur. Insgesamt verbrachte sie 63 Jahre als Gestalterin im Betrieb. Viele Ihrer Entwürfe sind heute als Exponate in den wichtigsten volkskundlichen und kunstgewerblichen Museen Sachsens zu finden.

Die Tradition lebt weiter: Zeitlose Schätze und frische Ideen bei Wendt & Kühn

Grünhainicher Engel mit Flöte

Heute kennt man das Vermächtnis von Grete Wendt, Grete Kühn und Olly Wendt auf der ganzen Welt. In dritter Generation haben sich Claudia Baer, geb. Wendt, und Dr. Florian Wendt mit der Übernahme der Geschäftsleitung im Jahr 2011 den Grundwerten des Unternehmens verpflichtet. Behutsam und mit traditionsbewusstem Blick entwickeln sie das Figurensortiment weiter.

Damals wie heute werden die Produkte von Wendt & Kühn in liebevoller Handarbeit gefertigt – in demselben Fachwerkhaus, das die Firmengründerinnen kurz nach der Gründung erstanden hatten.

In unserem Online-Shop entdecken Sie die vielfältige Produktauswahl von Wendt  Kühn – vom klassischen Blumenkind bis hin zu modernen Kreationen. Schauen Sie doch mal vorbei und finden Sie Ihre Lieblingsfigur!