Echt Erzgebirge!
Der Blog rund um Volkskunst, Tradition und die typisch erzgebirgische Lebensart

Wir lieben das Erzgebirge – mit all seinen Schönheiten und Eigenarten. In unserem Blog plaudern wir ein wenig aus dem Räucherhäuschen und teilen unser Wissen rund um Volkskunst, Mundart und Brauchtum.

Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 3: Erzgebirgische Schnitzkunst

Schäfer und Schafe geschnitzte Holzfiguren

Schon die erzgebirgischen Bergleute nahmen nach Feierabend das Schnitzeisen in die Hand. Damals wie heute werden im Erzgebirge Holzfiguren in verschiedensten Dimensionen geschnitzt.

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Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 3: Erzgebirgische Schnitzkunst

Schäfer und Schafe geschnitzte Holzfiguren
Schäfer und Schafe geschnitzte Holzfiguren

Das Kunsthandwerk mit der wohl bedeutendsten Tradition im Erzgebirge ist das Holzschnitzen. Schon seit vielen hundert Jahren nutzt man hierzulande Eisen und Schnitzmesser, um hölzerne Figuren herzustellen. Und auch heute entstehen in den erzgebirgischen Holzschnitzereien noch einzigartige Kunstwerke mit einem ganz besonderen Charme.

Wir sind begeistert von den filigranen Schönheiten, die erfahrene Schnitzkünstler wie von Zauberhand aus einem einfachen Stück Holz zu formen vermögen – und haben uns deshalb einmal genauer mit der langen Tradition des Schnitzens im Erzgebirge beschäftigt.

Schnitzen im Erzgebirge: Ein Handwerk mit Geschichte

Für die erzgebirgischen Bergleute war das Schnitzen schon immer mehr als ein Zeitvertreib nach Feierabend. Mit dem Schnitzmesser verewigten sie ihre Erlebnisse auf geschickte Weise in Holz. Als der Bergbau mehr und mehr an wirtschaftlicher Bedeutung verlor, wurde aus der Freizeitbeschäftigung ein wichtiger Broterwerb für die Menschen im Erzgebirge.

Weil Holz in großen Mengen vorhanden und schnell zu beschaffen war, entwickelte sich das Schnitzen schnell zu einem bedeutenden Erwerbszweig. Berufsgruppen, die eng mit dem Schnitzhandwerk in Verbindung standen, waren die Löffelmacher, Span­schachtel­macher und Kübler.

Obwohl heute auch CAD-gesteuerte Kopierfräsern das Werk des Schnitzers verrichten können, wird im Erzgebirge nach wie vor fleißig geschnitzt. Neben den professionellen Schnitzwerkstätten gibt es zahlreiche Vereine und Schnitzergruppen, die die Tradition der anspruchsvollen Handwerkskunst pflegen und fortführen.

Mit diesen Werkzeugen wird traditionsgemäß geschnitzt

Vorab ein paar allgemeine Worte zum Begriff des Schnitzens: Damit wird ein kerbendes und spanabhebendes Handwerk bezeichnet, bei dem man durch kontinuierliches Entfernen des Materials vom Rohling ein Werkstück modelliert. Die Fertigungsart zeigt sich an typischen kleinen Abdrücken im Werkstück. Nicht nur kunstvolle Figuren und Reliefs, auch Gegenstände des täglichen Bedarfs können so hergestellt werden.

Schnitzwerkzeuge

Als Rohling nutzen Berufsschnitzer heute meist vorgefräste Holzstücke, die sogenannten Schnitzrohlinge. Diese werden mit Schnitzeisen aus kohlenstoffhaltigem Stahl bearbeitet. Schnitzeisen gibt es in den verschiedensten Ausführungen:

  • Flacheisen (Schnitzeisen mit leichter Höhlung) zum Schnitzen von Flächen und Rundungen
  • Balleisen (Schnitzeisen mit flacher, gerader Schneide) zur Erzeugung von Rundungen
  • Hohleisen (Schnitzeisen mit starker Höhlung) für Vertiefungen
  • Bohrer (Hohleisen mit besonders starker, U-förmiger Höhlung) für Löcher und zum Entfernen größerer Materialmengen
  • V-förmige Eisen (auch Geißfuß genannt) für Strukturen und gerade Kanten
  • Blumeneisen (mit verjüngter Klingenbreite) für kleine Vertiefungen

Für größere Schnitzprojekte kommen zusätzlich Hammer mit rundem Kopf zum Einsatz. Diese werden gebraucht, um die nötige Kraft zum Abtragen des Holzes aufbringen zu können.

Damit beim Schnitzen keine Missgeschicke oder gar Unfälle passieren, ist die richtige Fixierung des Werkstücks das A und O. Die zur Herstellung von Reliefs benötigten Holzplatten werden in der Regel verschraubt oder in einem Rahmen verkeilt. Für Figuren nutzen Schnitzer einen Schnitzgalgen (= zwei Harthölzer mit beweglichem Gelenk) und spannen diesen an der Hobelbank ein. Das Werkstück wird dann mit einer Figurenschraube am Schnitzgalgen fixiert.

Kleine Figuren werden oft in der Hand oder auf dem Oberschenkel geschnitzt – hierfür braucht man aber besonders viel Erfahrung, denn die Verletzungsgefahr beim Gebrauch der scharfen Schnitzwerkzeuge ist nicht zu verachten.

Schnitzen mal anders: Eine besondere (und noch recht junge) Spielart des Handwerks ist das Kettensägenschnitzen. Die Kettensäge wird dabei als überdimensionaler Schnitzhobel benutzt – ein beeindruckender Prozess, den man oft auch in Schauvorführungen hautnah miterleben kann. Eine ganze Ausstellung von Kettensägenkunst gibt es im erzgebirgischen Blockhausen zu bewundern.

Das richtige Holz für Schnitzarbeiten

Heimische Hölzer wie Linde und Buchsbaum eignen sich aufgrund ihrer Kurzfaserigkeit und Homogenität hervorragend zum Schnitzen. Aber auch Ahorn, diverse Kiefern- und Obsthölzer sind gute Schnitzhölzer.

Um die Reißneigung des Holzes zu minimieren, sollte das verwendete Holz gut durchgetrocknet sein.

Räuchermann Schnitzer

Schnitzen in der Erzgebirgischen Volkskunst

In den meisten erzgebirgischen Holzmanufakturen wird heute mehr gedrechselt als geschnitzt – denn das Schnitzen ist ein besonders aufwendiges Handwerk. Nichtsdestotrotz genießt die Schnitzkunst im Erzgebirge nach wie vor ein hohes Ansehen. Pyramiden und Schwibbögen sind häufig mit geschnitzten Tierfiguren bestückt, viele namhafte Holzkunst-Hersteller wie KWO und Christian Ulbricht haben dem Handwerk sogar eine eigene Räucherfigur gewidmet. Und natürlich findet sich der Schnitzmeister auch auf dem bekanntesten erzgebirgischen Schwibbogen-Motiv.

Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 2: Die hohe Kunst des Klöppelns

Klöppelsack

Nicht nur an der Drechselbank entstehen im Erzgebirge aufwendige Kunstwerke. Auch am Klöppelsack ist man hierzulande besonders geschickt. Als traditionelle erzgebirgische Handwerkskunst blickt das Klöppeln auf eine bewegte Geschichte zurück.

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Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 2: Die hohe Kunst des Klöppelns

Klöppelsack
Klöppelsack

Handgemachtes besitzt im Erzgebirge einen hohen Stellenwert. Die filigranen Holzkunstwerke der Region kennt und liebt man mittlerweile auf der ganzen Welt. Aber nicht nur mit einzigartigen Drechselarbeiten erlangte das Erzgebirge Bekanntheit – auch am Klöppelsack ist man hier außerordentlich geschickt.

Die Geschichte des Klöppelns reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Wir sind ihr auf den Grund gegangen und haben uns die traditionsreiche Handarbeitstechnik einmal genauer angesehen.

Vom Lebensunterhalt zum Freizeitspaß: Klöppeln im Erzgebirge

Das Klöppeln ist ein Kunsthandwerk zur Herstellung verschiedenster Spitzen mittels spindelförmiger Holzspulen und darauf gewickeltes Garn. Durch Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen der Fäden entstehen aufwendige Schmuckelemente oder ganze Bilder.

Viele Jahre lang wurde im Erzgebirge professionell geklöppelt. Heute trifft man sich in Gruppen, um dem Klöppeln gemeinsam als Freizeitbeschäftigung nachzugehen.

Einfach Spitze: So wird geklöppelt

Grundlage jeder Klöppelspitze ist der Klöppelbrief. Dabei handelt es sich um eine Mustervorlage, die meist urheberrechtlich geschützt ist – denn die Gestaltung und geometrische Berechnung eines solchen Entwurfs ist eine hohe Kunst, die nur wenige Handklöppler:innen beherrschen.

Klöppel

Die als Klöppel bezeichneten Holzspulen und der Klöppelbrief sind an einem Klöppelsack bzw. Klöppelkissen befestigt. Mindestens zwei paar dieser Klöppel werden durch Kreuzen und Drehen miteinander verflochten. Wer genug Erfahrung hat, kann mit bis zu 100 Holzspulen klöppeln.

Als Flechtmaterial kommt in erster Linie reißfestes Leinengarn zum Einsatz. Seltener werden auch Seiden- und Baumwollgarne verwendet. Sogar das Klöppeln mit Metallfäden ist möglich – hierfür braucht es aber besondere Klöppel. Damit beim Klöppeln nichts verrutscht, wird das Flechtwerk währenddessen mit Stecknadeln auf dem Kissen fixiert. Ist das Kunstwerk vollendet, werden diese wieder entfernt.

Andere Länder, andere Klöppel-Sitten: Im Erzgebirge wird traditionell auf einer Rolle mit Holzständer geklöppelt. In Frankreich und Belgien hingegen nutzt man Flachkissen.

Von Mailand nach Marienberg: So kam das Klöppeln ins Erzgebirge

Die Ursprünge des Klöppelns finden sich im Italien des 16. Jahrhunderts. Dort nutzte man diverse Flechttechniken, um die losen Fransen von Kleidungsstücken in feste, dekorative Kanten zu verwandeln. Es dauerte nicht lang, bis diese Technik sich großer Beliebtheit erfreute und die Spitzenkanten auch eigenständig gefertigt wurden.

Mit Le Pompe entstand 1557 in Venedig das erste Musterbuch für Klöppeltechniken. Aus diesem Zeitraum stammen auch die ersten erzgebirgischen Klöppelspitzen. Eine Person, die dabei nicht unerwähnt bleiben darf, ist Barbara Uthman. Die aus Annaberg stammende Unternehmerin war maßgeblich an der Verbreitung des Spitzenhandels im Erzgebirge beteiligt. Überlieferungen zufolge handelte sie mit Klöppelspitze nach Art des Verlagssystems: Sie gab Muster aus, ließ sie durch Klöpplerinnen umsetzten und verkaufte sie dann weiter. In ihren erfolgreichsten Jahren beschäftigte Sie ungefähr 900 Bortenwirkerinnen.

Klöppeln für das täglich Brot

Viele Frauen im Erzgebirge leisteten durch das Klöppeln einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Lebensunterhalts. Als der Bergbau mehr und mehr an Relevanz verlor, erlangten Handarbeitstechniken wie diese zusätzlich eine besondere wirtschaftliche Bedeutung für die Familien im Erzgebirge.

Klöpplerin Figur von Wendt & Kühn

Ab dem späten 19. Jahrhundert konnten Klöppelspitzen maschinell hergestellt werden – und die Dienste der Klöpplerinnen wurden nicht länger benötigt. Geklöppelt wurde nun nicht mehr in Lohnarbeit, sondern vorrangig als Freizeitbeschäftigung. Heute ist die Westsächsische Hochschule Zwickau deutschlandweit die einzige Bildungseinrichtung, die das professionelle Klöppeln im Rahmen des Fachbereichs Angewandte Kunst lehrt. In regionalen Vereinen und Freizeitgruppen wird aber natürlich weiterhin fließig geklöppelt.

Zu den bekanntesten Spitzen des Klöppelhandwerks zählen die Flechtspitze (Renaissance), die Mailänder Spitze (Barock), die Brüsseler Handklöppelspitze (Rokoko) und die Russische Spitze (Klassizismus). Eine der wenigen Spitzen mit deutschem Ursprung ist die Schneeberger Spitze. Sie entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Königlichen Spitzenklöppel-Musterschule Schneeberg. Dort suchten die Lehrkräfte nach Möglichkeiten, um Handklöppelspitze auf möglichst schnelle und unkomplizierte Weise herstellen zu können. Das Besondere an Schneeberger Spitze ist die relativ geringe Zahl der verwendeten Klöppel (6 bis 8 Paare), durch die schwungvolle Spitzen, die sich im Wechsel verjüngen und ausweiten.

Klöppeln als Motiv in der Erzgebirgischen Holzkunst

Schwibbogen mit Bergbau-Motiv

Die Geschichte zeigt: Das Klöppeln ist ein wertvolles Kulturgut des Erzgebirges – und so ist es kaum verwunderlich, dass sich das Motiv der Klöpplerin immer wieder auch in den Holzkunstwerken der Region wiederfindet. Namhafte Hersteller wie Wendt & Kühn haben der Klöpplerin eine eigene Figur gewidmet – und natürlich findet sie sich auch auf dem bekanntesten Schwibbogen-Motiv des Erzgebirges wieder.

Wer genau hinsieht, entdeckt darauf ein weiteres typisch erzgebirgisches Handwerk, dem wir uns als nächstes widmen möchten. Ein Tipp: Es geht ein weiteres Mal um den beliebten Werkstoff Holz.

Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 1: Die Männelmacher und ihre Drechselkunst 

Drechseln eines Pilzes

Das Erzgebirge ist mehr als Bergbau – unsere Region ist ein buntes Pottpurri der Kunstfertigkeit. Das wohl wichtigste Handwerk ist das Drechseln. Wir haben uns über das Verfahren zur Holzbearbeitung schlau gemacht. 

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Kunsthandwerk im Erzgebirge – Teil 1: Die Männelmacher und ihre Drechselkunst 

Drechseln eines Pilzes
Drechseln eines Pilzes

Schnitzen, Drechseln, Klöppeln – (Kunst-)Handwerk gehört zum Erzgebirge wie der Fichtelberg. Für unsere Pyramiden, Schwibbögen und Räuchermännchen sind wir auf der ganzen Welt bekannt. In den Schauwerkstätten zahlreicher Manufakturen kann man den Männelmachern sogar über die Schulter schauen und hautnah miterleben, wie aus einem Stück Holz ein filigranes Kunstwerk entsteht.

Das Kunsthandwerk im Erzgebirge blickt auf eine lange Tradition zurück und wird auch heute noch sorgsam gepflegt. Wir haben uns die bekanntesten Handwerkskünste genauer angesehen. Erster Halt war dabei natürlich die erzgebirgische Drechselkunst.

Drechseln – was ist das eigentlich?

Das Drechseln (auch Drehen genannt) ist ein zerspanendes Fertigungsverfahren zur Bearbeitung von Holz und anderen Werkstoffen (z. B. Bernstein und Acrylglas). Traditionell wird dabei eine Drehbank eingesetzt, auf der sich das Werkstück um die eigene Achse dreht, während mit einem Werkzeug seine Kontur bearbeitet wird.

Die Ursprünge des Drechselns gehen bis in die Antike zurück. Die anfangs sehr kleinen Werkstücke wuchsen mit der Zeit immer weiter. Im mittelalterlichen Indien wurden dann bereits ganze Säulen aus Speckstein gedreht.

Welche Werkzeuge braucht ein Drechsler?

Holzspäne

Auf den ersten Blick erinnern Drechslerwerkzeuge denen eines Schreiers. Bei genauerem Hinsehen werden aber einige Unterschiede sichtbar. So sind die Werkzeuge von deutlich höherer Festigkeit und mit einer Länge von 40 bis 50 cm in der Regel auch wesentlich größer.

Die essenziellen Werkzeuge, die beim Drechseln zum Einsatz kommen, sind:

  • Röhren (halbrund und mit flachem Außenschliff)
  • Abstechstähle und Flachmeißel (beidseitig geschliffen)
  • Ausdrehstähle und Schlichtstähle (steiler Schliff)

Darüber hinaus werden beim Drechseln einige Hilfs- und Messinstrumente benötigt, um sicherzustellen, dass die erzeugte Silhouette korrekt geformt ist. Mithilfe von Federinnentastern und Stechzirkeln wird z. B. überprüft, ob eine gedrechselte Kugel auch wirklich kugelförmig ist.

Was genau ist Reifendrehen?

Das Reifendrehen ist ein spezielles Drechselverfahren, das in der erzgebirgischen Spielzeugstadt Seiffen entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine Methode zur Holzbearbeitung, durch die vor allem Tierfiguren gefertigt werden. Die sogenannten Reifentiere entstehen auf einer besonderen Holzdrehbank, auf der das Holzstück sich längs zur Faserrichtung dreht.

Reifentier Pferd

Ihren Ursprung findet die anspruchsvolle Technik im Niedergang des Zinnbergbaus um 1800. Um die vorhandene Wasserkraft weiterhin sinnvoll zu nutzen und eine schnelle, günstige Alternative zum verhältnismäßig unwirtschaftlichen Schnitzen zu schaffen, wurde dieses Verfahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt. Schon bald war dadurch die Massenproduktion von Holzfiguren möglich.

Damals wie heute ist das Ergebnis des Reifendrehens ein Holzring mit einem Durchmesser von 30 bis 50 cm, dessen Querschnitt die Form der gewünschten Figur besitzt. Diese offenbart sich in typisch flacher Form beim anschließenden Abspalten einzelner Segmente aus dem Ring. Üblicherweise werden die Figuren im Anschluss noch bemalt oder mit Schnitzwerkzeugen weiterbearbeitet.

Die Technik des Reifendrehens verlangt nach Geschicklichkeit, Vorstellungskraft und viel Erfahrung – denn das finale Ergebnis seiner sieht der Drechsler erst beim Abspalten.

Werden Spanbäume ebenfalls gedrechselt?

Spanbäume in verschiedenen Größen

Eines der beeindruckendsten Erzeugnisse aus den Manufakturen des Erzgebirges ist das Spanbäumchen. Dabei handelt es sich um eine Figur aus Lindenholz mit filigranen Spanlocken.

Gedrechselt werden nur Rohkörper und Fuß des Spanbaums, die Locken entstehen einzeln in Handarbeit. Diesen zeitaufwendigen Prozess bezeichnet man als Spanbaumstechen – ein Handwerk, das nur wenige beherrschen.

Spanbäume gibt es in allen erdenklichen Größen – die kleinsten sind wenige Zentimeter, die größten bis zu einen Meter groß. Auch als dekoratives Element auf Schwibbögen und Pyramiden sind Sie häufig zu finden.

Noch mehr Kunsthandwerk: Schnitzen und Klöppeln im Erzgebirge

Natürlich gibt es im Erzgebirge nicht nur meisterhafte Drechsler:innen. Auch beim Schnitzen und Klöppeln entstehen beeindruckende Kunstwerke, die auf der ganzen Welt begehrt sind. Im zweiten Teil unserer Reihe erfahren Sie mehr über die hohe Kunst des Klöppelns.

Kleines Mundart-Lexikon Teil 2: Von L wie Lameng bis Z wie Zuckerle

Räuchermann Pilzsammler Original Erzgebirgisch

Noch mehr Erzgebirgisch: Im zweiten Teil unseres kleinen Mundart-Lexikons erfahren Sie, was ein Matzl ist, welche Speisen zum traditionellen Neinerlaa gehören und was Sie falsch gemacht haben, wenn man Sie als Pranzkiebl bezeichnet.

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Kleines Mundart-Lexikon Teil 2: Von L wie Lameng bis Z wie Zuckerle

Räuchermann Pilzsammler Original Erzgebirgisch
Räuchermann Pilzsammler Original Erzgebirgisch

Mir sei ahm, wie mor sei… Im Erzgebirge ticken die Uhren ein bisschen anders – und auch die Sprache der Region ist eine ganz besondere. Ein bisschen nuschelig, gern verniedlicht, verkürzt oder auch mal alles zusammen – das ist typisch Erzgebirgisch. Die vielerorts gesprochene Mundart umfasst hunderte Vokabeln, deren Bedeutung nicht selten nur von Einheimischen entschlüsselt werden kann.

Mit dem ersten Teil unseres Mundart-Lexikons haben wir bereits einen kleinen Einblick in die Eigenheiten und Tücken des Erzgebirgischen gegeben. Im zweiten Teil erfahren Sie noch mehr – zum Beispiel über niedliche Tierchen, traditionelle erzgebirgische Gerichte und winterlichen Rodelspaß.

L wie… Lameng

Im Erzgebirge schafft man Dinge nicht mit Links, sondern aus dor Lameng. Wie viele andere erzgebirgische Vokabeln stammt das Wort aus dem Französischen (la main = die Hand) und nimmt damit Bezug auf die Unmittelbarkeit (im Sinne von zur Hand haben), mit der diese Handlung vollzogen werden kann.

M wie… Matzl

Original Erzgebirgische Figur Vogel von Martin

Ein Herz für Tiere: Ob Küken, Marienkäfer oder Katzenjunges – was winzig und schutzbedürftig ist, nennt man im Erzgebirge liebevoll Matzl. Oft wird die verniedlichte Bezeichnung aber auch für kleine Holzstücke oder andere Kleinteile verwendet.

Allerhand Matzln, zum Beispiel goldige Vögel aus der Manufaktur Martin, süße Eulen aus dem Hause Kuhnert und viele weitere Original Erzgebirgische Figuren finden Sie in unserem Online-Shop.

N wie… Neinerlaa

Beim Neinerlaa (zu Hochdeutsch: Neunerlei) handelt es sich um das traditionelle Weihnachtsessen der Erzgebirger:innen. Das Besondere an diesem Menü: Jede der bei diesem Essen servierten Speisen hat eine symbolische Bedeutung:

  • Bratwurst: Herzlichkeit und Kraft
  • Sauerkraut: kein Leid (das Leben soll einem nicht sauer werden)
  • Linsen: Kleingeld soll nicht ausgehen
  • Klöße, Karpfen und Hering: großes Geld soll nicht ausgehen
  • Gans, Schweinebraten und Kuhhase: Glück
  • Kompott: Lebensfreude
  • Semmelmilch: Gesundheit
  • Nüsse oder Mandeln: guter Lebensalltag

Serviert wird das Neinerlaa an natürlich Heiligabend – und zwar pünktlich um 18 Uhr.

O wie… Othal

Fichtelberg

Sollten Sie von Erzgebirger:innen nach Othal eingeladen werden, fahren Sie auf jeden Fall mit! Denn Othal alias Oberwiesenthal gehört zu den schönsten Ausflugszielen, die das Erzgebirge zu bieten hat – und ist ganz nebenbei auch die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Der Kurort liegt am Fuße des Fichtelbergs und gilt nicht nur unter Einheimischen als beliebter Wintersportort. Skifahren, Rodeln oder einfach nur den beeindruckenden Ausblick genießen – für all das (und noch vieles mehr) eignet sich die Region um den Fichtelberg hervorragend.

Wer besonders stilvoll und erlebnisreich nach Oberwiesenthal reisen will, kann dies mit der dampfbetriebenen Fichtelbergbahn tun.

P wie… Pranzkiebl

Wenn es etwas gibt, dass die Menschen im Erzgebirge nicht leiden können, dann sind es Angeber – oder Pranzkiebl, wie diese auch abfällig genannt werden. Wer pranzt (also angibt), kann es sich mit den Erzgebirger:innen leicht verscherzen – denn Bescheidenheit ist hier eine hoch geschätzte Tugend.

Q wie… Quetschkommod

Wendt & Kühn Figur Engel mit Akkordeon

Nicht erst seit De Randfichten gehört die Quetschkommod, das Akkordeon, zu den beliebtesten Instrumenten der erzgebirgischen Volksmusik. Das Feieromdlied, der Schneeschuhfahrermarsch und andere Klassiker werden traditionell mit diesem Handzuginstrument begleitet.

Wie beliebt das Akkordeon im Erzgebirge ist, wird auch anhand seiner vielen erzgebirgischen Kosenamen deutlich. Neben der Bezeichnung Quetschkommod sind zum Beispiel auch die Begriffe Ziehkastl und Zerrwanst gebräuchlich.

R wie… Ruscheln

Wenn‘s draußen wiedr schneit, do hommr unnre Freid! Sobald der erste Schnee liegt, leuchten im Erzgebirge alle Kinderaugen. Der Grund? Endlich kann geruschelt werden! Gemeint ist damit das Rodeln, das auf einem traditionellen Holzschlitten mit Metallbeschlägen natürlich am meisten Spaß macht.

S wie… Schwamme

Ja, de Schwamme, die sei gut! Wer in de Schwamme, also zum Pilze Sammeln geht, der wird in den Wäldern des Erzgebirges ganz bestimmt fündig. Doch die Konkurrenz schläft nicht! Erfahrene Pilzsammler:innen kennen die vielversprechendsten Fundorte – und würden sie wahrscheinlich auch unter Folter nicht verraten.

Räuchermännchen Pilzsammler

Ein Pilz-Klassiker der erzgebirgischen Küche sind übrigens Griene Klies un Schwammebrieh, eine Pilzsuppe mit grünen Klößen.

T wie… Trittewar

Laaf offn Trittewar! Wenn Sie diesen Satz hören, sind Sie wahrscheinlich auf der Straße gelaufen und waren jemandem im Weg. Trittewar is das erzgebirgische Wort für Gehsteig und wurde (wie so viele erzgebirgische Vokabeln) aus dem französischen Wort Trottoir entlehnt.

U wie… Uhiesschr

Wer das Wort Uhiesschr nicht kennt, auf den trifft es in aller Regel zu. Denn so nennt man im Erzgebirge jede Person, die nicht aus der Region stammt.

V wie… Varschl

Wenn dor Rupprich (Weihnachtsmann) an die Tür klopft, sollte jedes Kind ein Varschl auf Lager haben – denn ohne Varschl auch keine Geschenke. Gemeint ist damit ein kleines Lied oder Gedicht (Verschen), das vor der Bescherung vorgetragen wird.

W wie… Walker

Im Erzgebirge ist es deutlich kälter als anderswo – das macht den Einheimischen aber nichts aus, denn hier ist man auf eisige Temperaturen bestens vorbereitet. Um keine kaltn Fiss zu riskieren, werden in den eigenen vier Wänden üblicherweise sogenannte Walker, also aus Filz gefertigte Hausschuhe getragen.

Z wie… Zuckerle

Figur Süßigkeiten-Stand von Flade, Original Erzgebirgisch

Kulinarisch hat das Erzgebirge vor allem herzhafte und deftige Gerichte zu bieten. Aber auch Süßes lässt man sich hier gern mal schmecken. Wenn Sie mitnaschen möchten, brauchen Sie ab sofort nicht mehr um ein Bonbon zu bitten, sondern können dialektgetreu nach einem Zuckerle fragen.

S’is Feierohmd!

Uhiessche, die unser Mundart-Lexikon studiert haben, können sich nun selbstbewusst in die Konversation mit dem einen oder anderen Einheimischen stürzen – und dabei mit echtem Insider-Wissen glänzen. Wer nicht genug von der erzgebirgischen Mundart und Kultur bekommt, findet noch mehr typisch Erzgebirgisches in unserem Online-Shop für erzgebirgische Holzkunst.

Kleines Mundart-Lexikon Teil 1: Von A wie Ahlichtln bis K wie Karzl

Mann schnitzt Holzfigur

Erzgebirgisch für Anfänger: Der Dialekt der erzgebirgischen Landsleute ist ein sehr spezieller – und nicht immer ganz einfach zu verstehen. Welche Vokabeln man im Gespräch mit einem echten Erzgebirger beherrschen sollte, erfahren Sie in unserem Mundart-Lexikon.

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Kleines Mundart-Lexikon Teil 1: Von A wie Ahlichtln bis K wie Karzl

Mann schnitzt Holzfigur
Mann schnitzt Holzfigur

Wu de Hasen Hosen haßen un de Hosen Husen haßen… Das Erzgebirge ist nicht nur für seine einzigartige Holzkunst, sondern auch für seinen Dialekt bekannt. Wer das erste Mal auf waschechte Erzgebirger:innen trifft, kann im Gespräch schon mal an seine Grenzen geraten – denn viele Wörter klingen auf Erzgebirgisch einfach völlig anders.

Die Erzgebirger:innnen sind stolz auf ihre Mundart – und dank Dichter wie Anton Günther erlangte sie auch außerhalb der Region Bekanntheit. Wenn Sie sich noch schwer tun, den erzgebirgischen Dialekt zu verstehen, schafft unser kleines Mundart-Lexikon Abhilfe. Wir haben die wichtigsten, wunderlichsten und lustigsten Begriffe aus dem Wortschatz unserer Landsleute zusammengetragen und ins Hochdeutsche übersetzt.

A wie… Ahlichtln

Schwibbogen mit Seiffener Kirche

Unter Ahlichtln verstehen die Erzgebirger:innen das feierliche Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung. Traditionell wird mit dem ersten Anschalten die Vorweihnachtszeit eingeläutet – und zwar immer zum ersten Advent.

Nichts zum Ahlichtln zu Hause? In unserem Online-Shop finden Sie eine vielseitige Auswahl an Fensterbeleuchtung und Dekoration – darunter verschiedene Original Erzgebirgische Schwibbögen und natürlich auch den weltweit bekannten Herrnhuter Stern in unterschiedlichen Größen und Farben.

Übrigens: Das A klingt im Erzgebirge eher wie eine Mischung aus A, O und E – und nur, wer den Dialekt wirklich beherrscht, kann diesen Laut lupenrein erzeugen.

B wie… Bliemerant

Wenn es jemandem bliemerant ist, sollte man ihm schnellstmöglich ein Glas Wasser und einen Stuhl reichen. Denn bliemerant bedeutet auf Erzgebirgisch so viel wie schwindlig oder unwohl. Seine Wurzeln hat das erzgebirgische Wort im Französischen bleu mourant, was übersetzt blassblau bedeutet – und damit wohl auf die Gesichtsfarbe der betroffenen Person anspielt.

Weihnachtsbaumverkäufer

C wie… Christbaam

Eine Vokabel, die wohl auch die meisten Nicht-Erzgebirger übersetzen können: Der Weihnachtsbaum heißt von Aue bis Zschopau Christbaam und wird traditionell nicht mit Lametta, sondern mit kleinen Holzfiguren und Strohsternen geschmückt.

Die passende Weihnachtsdekoration für Ihren Christbaum finden Sie bei uns. Zu unserem Baumbehang-Sortiment gehören unter anderem die beliebten Weihnachtsengel von Wendt & Kühn.

D wie… Drham

Zu Hause ist es am schönsten – das finden auch die Erzgebirger:innen. Nur dass sie eben nicht zu Hause sind, sondern drham. Das Zuhause ist auch in erzgebirgischen Volksliedern und Gedichten häufig Thema – natürlich auch beim bekanntesten Liedermacher Anton Günther, der nach längeren Aufenthalten im Ausland ebenfalls wieder seinen Weg nach Hause ins Erzgebirge fand.

Kloßfrau

E wie… Eigeschnietne

Weggeworfen wird im Erzgebirge nichts – denn schließlich lässt sich auch aus den Resten des bomfortionösen (= üppigen) Mittagessens noch etwas Köstliches zaubern. Übriggebliebene Kartoffeln oder Klöße landen deshalb nicht im Müll, sie werden in Scheiben geschnitten und mit Butterschmalz in der Pfanne gebraten.

Das Ergebnis sind knusprige Eigeschnietne, die dem einen oder anderen sogar besser schmecken als ein frischer Kloß.

F wie… Fei

Des kasste fei net sohng! Die kleine Modalpartikel fei wird von Erzgebirger:innen nur zu gern benutzt. Ihre Bedeutung bewegt sich zwischen tatsächlich, wirklich und der Annahme, dass die angesprochene Person das Gesagte noch nicht weiß. Darüber hinaus wird einer Aussage mittels fei besonderer Nachdruck verliehen. Auch diese erzgebirgische Vokabel wurde aus dem Französischen entlehnt und lässt sich auf das Wort fin zurückführen.

G wie… Gahr

Gahr vor Gahr gieht’s zen Advent… So beginnt das wohl bekannteste Weihnachtslied des Erzgebirges, in dem die wichtigste Symbolfigur der Region besungen wird – die Rede ist vom Raachermannl, dem Räuchermännchen, das jedes Jahr am ersten Adventssonntag aus seinem Winterschlaf geweckt wird. Im Jahr 1830 erstmals erwähnt, ist es heute fester Bestandteil der erzgebirgischen Volkskunst und erfreut Menschen auf der ganzen Welt mit seinem duftenden Nebel.

Räuchermännchen und die passenden Räucherkerzen von Markenherstellern wie Huss, Crottendorfer und KNOX gibt es natürlich bei uns. Wir führen klassische Figuren, aber auch moderne Varianten.

Schloss Schwarzenberg

H wie… Haamit(land)

Vergass dei Haamit net! Zur Heimat pflegen die Erzgebirger:innen eine ganz besondere Liebe. Nicht nur mit der beeindruckenden Flora und Fauna der Region, auch mit ihrer Sprache und Kultur sind die Menschen im Erzgebirge besonders eng verwachsen – und bleiben es zumeist auch, wenn sie nicht mehr in ihrer Heimat wohnen.

Sieht man jenseits des Erzgebirges zur Weihnachtszeit ein traditionell geschmücktes Fenster mit Schwibbogen und Weihnachtsstern, ist es recht wahrscheinlich, dass der Dekorateur aus dem Erzgebirge stammt.

I wie… Imstandskastn

Jemand aus dem Erzgebirge hat Sie als Imstandskasten (wörtlich: Umstandskasten) bezeichnet? Dann will er ihnen mit typisch erzgebirgischer Direktheit sagen, dass Sie die Dinge vielleicht etwas zu kompliziert angehen – denn so nennt man hierzulande einen umständlichen Menschen. Nehmen Sie sich diesen Titel nicht allzu sehr zu Herzen, der Charme der Erzgebirger:innen ist nun mal eher pragmatisch.

J wie… Gung?

Nein, wir haben uns nicht vertan! Vokabeln mit J hat der erzgebirgische Dialekt kaum zu bieten. Denn die meisten Wörter, die im Hochdeutschen mit J beginnen, werden im Erzgebirge mit G gebildet. So ist der Junge dr Gung, der Jäger heißt Gaachr und wenn es kalt wird, zieht man sich keine Jacke über, sondern de Gack.

K wie… Karzl

Huss Karzl Räucherkerzen Alles-in-Einem

Licht und Beleuchtung sind im Erzgebirge ein großes Thema – nicht zuletzt aufgrund der langen Bergbaugeschichte der Region. Wenn es untertage stockfinster war, brachte ein Karzl (eine kleine Kerze) den Bergleuten Licht und Wärme. Während Schwibbögen und Weihnachtsbäume heute zumeist elektronisch beleuchtet sind, werden auf der erzgebirgischen Pyramide nach wie vor Kerzen angezündet – denn schließlich braucht es eine Flamme, damit de Peremett sich dreht.

Übrigens: Karzl heißt auch das Maskottchen des erzgebirgischen Räucherkerzen-Herstellers Huss. Das kleine Räucherkerzchen mit Hut weiß so einiges über das Erzgebirge, seine Sprache und Traditionen zu berichten – und trägt sein Wissen mit Witz und Charme in die Welt.

Neigierich? ‘s gieht fei noch wettr!

Noch mehr Vokabeln aus dem Erzgebirgischen teilen wir schon bald im zweiten Teil unseres kleinen Mundart-Lexikons. Bis dahin sagen wir: Macht’s ner gut und bleibt fei gesund!

Kunsthandwerk von einem anderen Stern: Weihnachtssterne aus Herrnhut

Herrnhuter Stern gelb

Ein Licht geht um die Welt! Der Der Herrnhuter Stern® erfreut Menschen rund um den Globus mit seiner zeitlosen Schönheit. Gefertigt wird der Adventsstern seit mehr als 120 Jahren in liebevoller Handarbeit – und immer öfter sieht man ihn auch außerhalb der Adventszeit als Dekoration erstrahlen.

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Kunsthandwerk von einem anderen Stern: Weihnachtssterne aus Herrnhut

Herrnhuter Stern gelb
Herrnhuter Stern gelb

Er ist zeitlos schön und passt zu jedem Einrichtungsstil: Der Herrnhuter Stern® bringt nicht nur seine Umgebung, sondern auch die Augen von Volkskunst-Fans auf der ganzen Welt zum Leuchten. Mit seinem einzigartigen Design und den schlichten geometrischen Formen fügt er sich perfekt in traditionelle wie moderne Dekorationswelten ein – und das nicht nur in der Adventszeit.

Wir greifen heute nach den Sternen und schauen uns diesen Klassiker des traditionellen sächsischen Kunsthandwerks einmal genauer an.

Daran erkennt man einen echten Herrnhuter Stern®

Nicht jeder Weihnachtsstern ist ein echter Herrnhuter Stern® – nur Sterne, die im sächsischen Herrnhut nach einer ganz bestimmten Bauart gefertigt wurden, dürfen diesen traditionsreichen Namen tragen. Der Grundkörper eines jeden Herrnhuter Sterns® ist ein Rhombenkuboktaeder, also ein Körper aus acht gleichseitigen Dreiecken und 18 Quadraten. An die insgesamt 26 Flächen des Körpers werden Zacken (17 Pyramiden mit viereckiger und acht Pyramiden mit dreieckiger Grundfläche) befestigt. An der oberen Fläche ist beim klassischen Herrnhuter Stern® die Aufhängung vorgesehen.

Hergestellt werden Herrnhuter Sterne® in Größen von 8 cm (Miniaturstern) bis 1, 30 m (Kunststoff-Stern). Beinahe alle Sterne-Varianten kommen als Bausatz zu ihren Besitzern, die Zacken werden einzeln an den Grundkörper angebracht.

Schon gewusst: Die Sterne-Manufaktur in Herrnhut erhält immer wieder auch ganz besondere Aufträge. So leuchtet zum Beispiel in der Kuppel der Dresdner Frauenkirche während der Adventszeit ein gelber Stern aus Herrnhut mit einem Durchmesser von 1,90 m. Die Herrnhuter Sterne® am Bundeskanzleramt und vor der Manufaktur selbst bringen es sogar auf stolze 2,50 m.

Altstadt Dresden mit Frauenkirche und Herrnhuter Stern in der Kuppel
Aus der Ferne leuchtet der Herrnhuter Stern® in der Kuppel der Dresdner Frauenkirche als winziges helles Licht. In Wahrheit ist der Weihnachtsstern aber knapp zwei Meter groß.

Reise zu den Sternen: Die Geschichte des Herrnhuter Sterns®

Die ersten Herrnhuter Sterne® erleuchteten die Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Internat der Herrnhuter Brüdergemeinde lebten zu dieser Zeit vorrangig Missionarskinder, deren Eltern sich auf Missionsreise befanden. Das Heimweh und die Sehnsucht nach den Eltern war für diese Kinder insbesondere in der Adventszeit groß – da kam ein bisschen Ablenkung gerade recht. Zur Förderung des geometrischen und räumlichen Verständnisses durften die Kinder im Mathematikunterricht Adventssterne bauen und mit dem biblischen Symbol ihre Stuben schmücken. Diese ersten Sterne bestanden aus zwei Farben: weiß als Sinnbild für die Reinheit und Rot für das Blut Jesu.

Das Basteln der Sterne zum ersten Sonntag im Advent wurde schnell zur Tradition, die die Kinder auch nach der Rückkehr ihrer Familien fortführten.

Seit 1897 werden die Sterne in der Herrnhuter Manufaktur gefertigt – damals wie heute in traditioneller Handarbeit. Weiterhin stellt das Unternehmen auch typisch erzgebirgische Artikel und Designprodukte her (z. B. Schwibbögen).

Farbenpracht für jeden Geschmack

Herrnhuter Sterne® sind traditionell in den folgenden Farbvarianten erhältlich:

Darüber hinaus stellt die Manufaktur wechselnde limitierte Sondereditionen her – in diesem Jahr kann man zum Beispiel einen 13 cm großen Stern in frischem Mint kaufen.

Herrnhuter Sterne® für den Innen- und Außenbereich

Traditionell besteht der Herrnhuter Stern® aus stabiler Pappe. Weil der Weihnachtsstern aber für die Beleuchtung im Außenbereich ebenfalls ein gefragtes Dekorationselement ist, wird er seit vielen Jahren auch als Kunststoff-Variante in verschiedenen Größen hergestellt.

Ein noch recht junges Produkt der Herrnhuter Manufaktur ist die Sternenkette, bestehend aus zehn kleinen Kunststoff-Adventssternen.

Herrnhuter Sterne als Gartendekoration

Mehr als ein Adventsstern: Herrnhuter Sterne® als Beleuchtung für das ganze Jahr

Eines ist klar: Zur Weihnachtsdekoration im Erzgebirge gehört der Herrnhuter Stern® genauso wie Schwibbogen und Bergmann. Aber auch außerhalb der Adventszeit macht der Stern eine wirklich tolle Figur – sei es als sanfte Gartenbeleuchtung an warmen Sommerabenden oder als Innendekoration im modernen geometrischen Stil.

Entdecken Sie alle Herrnhuter Sterne® in unserem Online-Shop für Erzgebirgische Volkskunst »

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Kabel und Leuchtmittel für die Adventssterne separat zu bestellen sind. Natürlich finden Sie auch diese Artikel sowie weiteres Zubehör für Ihren Herrnhuter Stern® in unserem Shop.

Mei Arzgebirg, wie bist du schie: Anton Günther, Portrait eines Erzgebirgischen Dichters

Baum auf Lichtung im Erzgebirge

Der Vatertag steht kurz bevor – und wir möchten ihn in diesem Jahr einem ganz besonderen Mann widmen: dem Volksdichter und Sänger Anton Günther. In seinen Liedern spiegelt sich die Schönheit der erzgebirgischen Natur und Lebensart. Und seine Werke gehörenzum Erzgebirge wie Bergmann und Schwibbogen.

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Mei Arzgebirg, wie bist du schie: Anton Günther, Portrait eines Erzgebirgischen Dichters

Baum auf Lichtung im Erzgebirge
Baum auf Lichtung im Erzgebirge

Am Donnerstag ist Vatertag – oder Männertag, wie man ihn in unserer Region eher nennt. Wir möchten diesen besonderen Tag zum Anlass nehmen, um vom Leben und Wirken eines ganz besonderen Mannes zu berichten. Eine Persönlichkeit, die die Kultur des Erzgebirges mit ihren Werken maßgeblich geprägt und die Schönheit unserer Region hinaus in die Welt getragen hat: der Volksdichter und Sänger Anton Günther.

Heute gehören die Werke von Anton Günther zur Erzgebirgischen Kultur wie Bergmann und Schwibbogen. In jungen Jahren wollte der berühmte Liedermacher aber lieber Förster werden, denn die erzgebirgischen Wälder, in denen er während seiner Kindheit viel Zeit verbrachte, weckten in ihm eine starke Liebe und Nähe zur Natur.

Im Jahr 1876 geboren und nahe des Keilbergs in Gottesgab (heute Boží Dar) aufgewachsen, kam der junge Anton Günther natürlich früh mit Musik in Berührung  – insbesondere durch seinen Vater, für den das Musizieren in Gesellschaft ein kleines Zubrot darstellte.

Vergass dei Haamit net: Die Erfindung der Liedpostkarte

Wald im Erzgebirge

Seinem Zeichentalent hatte Anton Günther es zu verdanken, dass er eine Lehre zum Lithografen absolvieren und ab 1895 im schönen Prag leben konnte. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war groß – und machte ihn zum Dichter. Gemeinsam mit anderen aus dem Erzgebirge stammenden Menschen traf er sich regelmäßig zum Singen und Musizieren. Begleitet wurden die selbst geschriebenen Lieder auf der Gitarre.

In dieser Zeit entstand mit „Drham is‘ drham“ (= Daheim ist daheim) eine der bekanntesten Dichtungen Günthers. Dass sich das Lied so großer Beliebtheit erfreute, brachte Günther auf eine Idee: Statt den Text immer wieder abzuschreiben, um ihn weiterzugeben, zeichnete er ihn auf Lithografie-Stein und ließ das Ergebnis drucken – die erste Liedpostkarte war geboren.

Im Jahr 1901 kehrte Anton Günther zurück nach Gottesgab, um sich nach dem Tod seines Vaters um seine Geschwister zu kümmern. Dort angekommen, verdiente auch er sich mit Auftritten als Sänger und Musiker etwas dazu – denn die kleine Landwirtschaft reichte nur schwerlich zum Überleben. Auch der Verkauf der Liedpostkarten brachte der Familie zu diesem Zeitpunkt bereits die eine oder andere Mark ein.

Bleib’n mr noch a weng do: Die Zeit der großen Erfolge

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Erzgebirge eine ausgesprochen beliebte Urlaubsregion. In den vollen Gaststätten sorgte Günther abends mit seinen Liedern für Unterhaltung – und hatte damit immer größeren Erfolg. Besungen wurde alles, was es über das Erzgebirge zu berichten gab – vom Schwamme-Sammeln über die Winterfreuden der Schneeschuhfahrer bis hin zur seligen Weihnachtszeit mit ihren vielen traditionellen Bräuchen. Vermutlich war es gerade diese Besinnung auf die freudebringenden Kleinigkeiten ihrer Welt, mit denen der Musiker die Menschen in seinen Bann zog.

Nach dem ersten Weltkrieg, den er als österreichischer Soldat an der serbischen Front miterlebte, waren die Lieder Anton Günthers beliebter denn je: Bei Auftritten in Berlin, Wien und Dresden begeisterte er auch das Publikum jenseits des Erzgebirges mit seiner Dichtung. Zu Hause konnte man die Lieder Anton Günters dank der Schellack-Schalplatten nun ebenfalls in voller Länge hören.

Der aufstrebende Nationalsozialismus ließ Günther zunehmend schwermütiger werden. Am 29. April 1937 nahm er sich schließlich das Leben. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn tausende Menschen, während mit dem Feierohmd-Lied eines seiner bekanntesten Werke erklang.

‘S hot jeder sei Freid: Anton Günther in der zeitgenössischen Kultur des Erzgebirges

Räuchermann Anton Günther

Zuerst lebten Anton Günthers Liebe zur Musik und zum Erzgebirge vor allem in seinem Sohn Erwin fort. Als Mundartsprecher des Volkskunst-Ensembles „Heiteres Erzgebirge“ trat er in die Fußstapfen seines Vaters und beteiligte sich außerdem maßgeblich daran, die Werke Günthers zusammenzutragen.

Von insgesamt ca. 140 überlieferten Liedern (davon 86 als Einheit von Text, Notensatz und Zeichnung) sind viele auch heute noch fester Bestandteil des erzgebirgischen Liederschatzes. Wer während des Männertags-Ausflugs mit der Musik Anton Günthers für traditionelle Unterhaltung sorgen will, findet viele seiner Werke mittlerweile sogar auf den bekannten Streaming-Plattformen.

Das Lebenswerk Anton Günthers würdigt man im Erzgebirge auf vielfältige Weise: Überall in den Städten und Wäldern verstreut finden sich Gedenksteine, die an den beliebten Künstler erinnern. Beim jährlichen Anton-Günther-Singen in Weipert werden die schönsten Lieder von Musikern der Region vorgetragen. Und natürlich befasst sich auch die Erzgebirgische Holzkunst mit ihm. Der Holzkunst-Hersteller KWO fertigt zum Beispiel einen Räuchermann, der ihm optisch bis ins Detail nachempfunden ist. Natürlich ist diese Figur auch in unserem Online-Shop erhältlich.

zum Räuchermann »

Tradition trifft Moderne: Erzgebirgische Volkskunst von Günter Reichel & Björn Köhler

Schutzengel mit Schirmen

Erzgebirgisches Kunsthandwerk muss nicht immer traditionell sein – das beweist die moderne Holzkunst von Günter Reichel und Björn Köhler. Mit außergewöhnlicher Formensprache und jungen Designs bringen diese beiden Hersteller frischen Wind in die Welt der Erzgebirgischen Volkskunst.

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Tradition trifft Moderne: Erzgebirgische Volkskunst von Günter Reichel & Björn Köhler

Schutzengel mit Schirmen
Schutzengel mit Blumen

Die Erzgebirgische Volkskunst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit mehreren Jahrhunderten wird im Erzgebirge geschnitzt, geklöppelt und gedrechselt. Weltweite Berühmtheit erlangte die Holzkunst mit klassischen Figuren, wie sie in den Manufakturen von Blank oder Wendt & Kühn hergestellt werden.

Doch das Handwerk im Erzgebirge steht keinesfalls still – in den vergangenen Jahren haben sich auch Hersteller am Markt etabliert, die die erzgebirgische Holzkunst neu interpretieren und klassische Motive ins Moderne übertragen.

Zwei dieser Hersteller sind Günter Reichel und Björn Köhler. Wir möchten heute einen genaueren Blick in die Manufakturen der beiden Kunsthandwerksbetriebe werfen.

Figuren von Günter Reichel: Kunsthandwerk mit kindlichem Charme

Schutzengel mit Herz

Die Manufaktur Günter Reichel gibt es seit mehr als 30 Jahren. Hier, im erzgebirgischen Pobershau, entsteht einzigartige Poesie aus Holz, in der Tradition und Moderne perfekt zusammenfinden.

Die gedrechselten Holzfiguren besitzen ein unverwechselbares Gesicht, das zeitlos und jugendlich zugleich ist. Die runden Grundformen, aus denen die Figuren gefertigt werden, verleihen ihnen eine kindliche Unschuld und Sorglosigkeit. Fröhliche Farben sind charakteristisch für die Kollektionen von Günter Reichel.

Die wohl beliebteste Figuren-Kollektion der Schutzengel® von Günter Reichel. Ihn gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen. Einzig die kleinen goldenen Flügelchen und das süße Lächeln haben alle Schutzengel gemein.

Schutzengel, Baumbehang & Schwibbögen: Vielfalt für jeden Anlass

Nicht nur himmlische und weihnachtliche Figuren gehören zum Sortiment von Günter Reichel. Auch wer nach passendem Schmuck für die Osterzeit oder einem individuellen Geschenk für Geburtstag, Schulanfang, Jubiläum oder Valentinstag sucht, wird hier fündig. Größere Erzeugnisse wie Schwibbögen und Schwibbögen sind ebenfalls Teil des Sortiments.

Alle Produkte von Günter Reichel auf einen Blick:

Glücksbär mit Laufrad

Das Wesentliche zählt: Minimalistische Figuren von Björn Köhler

Minimalistisches Kunsthandwerk liegt voll im Trend – und damit auch die außergewöhnlichen Holzfiguren von Björn Köhler. Die Figuren aus der Manufaktur im erzgebirgischen Eppendorf unterscheiden sich ganz erheblich vom traditionellen Formenschatz erzgebirgischer Volkskunst. Ihr Design ist reduziert, ohne dabei an Individualität und Eleganz zu verlieren.

Christi Geburt

Ein wichtiger Teil der Handschrift von Björn Köhler: Die meisten der Kunstwerke besitzen (von der oft genutzten roten Nase einmal abgesehen) keine oder nur sehr schlichte Gesichtszüge. Weniger ausdrucksstark macht das die Holzfiguren aber nicht – ganz im Gegenteil. Ihr stilisiertes Erscheinungsbild schenkt ihnen etwas Geheimnisvolles und Unkonventionelles. Belohnt wurde das berührende Design des Herstellers unter anderem Mit dem Designpreis des Verbands erzgebirgischer Kunsthandwerker.

Eine Besonderheit der Produkte von Björn Köhler sind die liebevoll gestalteten Zubehörteile, mit deren Hilfe sich einzigartige Szenen kreieren lassen. Aus geometrisch geformten Kulissen und stilgetreuen Pflanzen entstehen wundervolle Szenen für die persönliche Figurensammlung.

Mit Sorgfalt zur Perfektion: So entstehen Weihnachtsmänner, Eierköpfe und Gratulanten

Weihnachtsmann mit Kontrabass

Kunsthandwerk wird in der Manufaktur von Björn Köhler wörtlich genommen. Hier werden die Figuren vorwiegend in liebevoller Handarbeit gefertigt – von der ersten Skizze bis zum letzten Detail.

Mit dem zeichnerischen Entwurf einer neuen Figurenkreation beginnt der Zauber in der Manufaktur. Ist dieser perfektioniert, kommen sogfältig getrocknete heimische Hölzer zum Einsatz, um die Skizze in eine reale Figur zu verwandeln. Der Zuschnitt der Holzkanteln, das Aussägen der Konturen, das Formen der einzelnen Komponenten an der Drechselbank – all das passiert in der Manufaktur von Hand. Und auch das Zusammenfügen, Beizen, Lasieren, Schleifen und Lackieren verlangt nach meisterhaftem handwerklichem Geschick.

Ein besonderes Highlight der Produkte von Björn Köhler ist der herrlich coole Weihnachtsmann, der gern mit Sonnenbrille, Motorrad und anderen unkonventionellen Accessoires gesehen wird.

Zum Sortiment der Manufaktur Björn Köhler gehören folgende Kreationen:

Die nächste Generation Erzgebirgischer Volkskunst: Jetzt im Online-Shop kaufen

Ob die verspielten Figuren von Günter Reichel oder die frische Designsprache Björn Köhlers – in unserem Online-Shop für erzgebirgische Volkskunst finden Sie die ganze Vielfalt moderner Holzkreationen.

Hase, Ei und Osterbrunnen: Die bekanntesten Ostertraditionen und ihr Platz in der Erzgebirgischen Volkskunst

Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn

Nicht nur in der Weihnachtszeit wird im Erzgebirge geschmückt und gefeiert, auch das Osterfest ist mit vielen Traditionen rund um Hase und Ei verbunden. Original Erzgebirgische Figuren und Dekorationen dürfen da natürlich nicht fehlen!

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Hase, Ei und Osterbrunnen: Die bekanntesten Ostertraditionen und ihr Platz in der Erzgebirgischen Volkskunst

Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn
Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn

Wer an die erzgebirgische Kultur denkt, dem kommen wohl zuerst die typisch weihnachtlichen Bräuche und Dekorationen des Erzgebirges in den Sinn. Aber auch, wenn der Frühling erwacht, die Narzissen blühen und die Wiesen in frischem Grün erstrahlen, geht es im Erzgebirge traditionell zu. Besonders während der Osterzeit trifft man hier auf liebevolle Dekorationen, prachtvoll geschmückte Gärten und allerlei buntes Treiben.

Wir, das Team vom Erzgebirgshaus, wissen natürlich genau, was ein gelungenes Osterfest im Erzgebirge ausmacht!

So feiert man Ostern im Erzgebirge

Das Osterfest gehört im Erzgebirge zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres. Wie fast überall in Deutschland, kommt auch hier die Familie an den Feiertagen zusammen, um zu essen, zu feiern und kleine Geschenke zu verstecken. Zuvor verschönert man Haus und Garten liebevoll mit Erzgebirgischer Volkskunst und weiteren Dekorationen. Aufgestellt werden vor allem kleine Figuren wie Eier, Küken, Lämmer und Hasen. Als Baumschmuck kommen natürlich bunte Ostereier zum Einsatz.

Figur Wendt & Kühn: Junge mit Osterei

Wer es noch ein bisschen traditioneller mag, kann mit Osterschwibbögen, Osterspieldosen und Osterpyramiden für typisch erzgebirgische Stimmung sorgen. Auch die berühmten Blumenkinder von Wendt & Kühn eignen sich hervorragend als Osterdekoration.

Das Osterei: Symbolik und Verwendung im Erzgebirge

Die Büsche und Bäume im Außenbereich werden wie vielerorts mit bunten Ostereiern behangen – eine Tradition, die dem Christentum entspringt. Als Symbol des Lebens steht das Ei dort für die Auferstehung Jesu. Natürlich ist auch das Bemalen, Verstecken und Suchen von Ostereiern durchaus üblich. Und weil man im Erzgebirge nun mal gern aus Holz fertigt, gibt es bunt bedruckte Papp-Ostereier, die sich prima mit kleinen Leckereien befüllen und im Garten verstecken lassen.

Osterhasen in der Erzgebirgischen Volkskunst

Osterhase mit Lamm

Den überall gern gesehenen Osterhasen gibt es in allen erdenklichen Größen, Designs und Farben. Gefertigt wird er von vielen bekannten Herstellern, darunter zum Beispiel:

Für Sammelfreunde bringen diverse Hersteller jedes Jahr eine oder mehrere neue Hasenfiguren heraus.

Die Symbolik des Osterhasen ist (wie auch die des Ostereis) christlicher Natur. Aufgrund seiner starken Vermehrung steht der Hase stellvertretend für Fruchtbarkeit und wird seit dem späten Mittelalter als Symbol für das Leben und die Auferstehung verwendet.

Übrigens: Viele Hersteller Erzgebirgischer Volkskunst (z. B. Wendt & Kühn) bieten um die Osterfeiertage besondere Schautage an, bei denen man die Herstellung von Osterfiguren und anderen Dekorationen aus nächster Nähe beobachten kann – der perfekte Oster-Ausflug für große und kleine Fans der Erzgebirgischen Volkskunst.

Das Osterlamm als christliches Symbol im Erzgebirge

Im Christentum symbolisiert das Lamm die Reinheit und Unschuld. In der Osterzeit findet man es deshalb beinahe überall – zum Beispiel in Form von Osterbroten, die am Gründonnerstag gebacken und zum Osterfrühstück verspeist werden. Auch in der Erzgebirgischen Volkskunst sind Schafe und Lämmer ein beliebtes Ostermotiv.

Bunte Osterbrunnen um die Greifensteine und im Zwönitztal

Osterbrunnen

Der öffentliche Osterbrunnen ist eine noch recht junge Tradition des Erzgebirges, die ursprünglich aus der fränkischen Schweiz stammt. Mittlerweile sind die bunt geschmückten Brunnen aber auch in unserer Region ein echter Touristenmagnet. 

Brunnen und andere gewässernahe Bauwerke werden mit einer grünen Krone versehen, die wiederum selbst mit bunten, typisch österlichen Dekorationen verziert sind – in erster Linie kommen dafür Ostereier und farbige Bänder zum Einsatz. Besonders schöne Exemplare finden sich in Zwönitz und den dazugehörigen Ortsteilen.

Weshalb um die Osterzeit gerade Brunnen geschmückt werden, darüber streiten sich die Gelehrten. Zu vermuten ist aber auch hier ein Bezug zur Symbolik des Lebens. Ab Karsamstag bis zwei Wochen nach Ostern sind die geschmückten Brunnen in den Innenstädten zu finden. Das Aufsetzen der Krone ist ein feierlicher Akt und findet meist im Rahmen eines Ostermarktes statt.

Noch nicht geschmückt? Erzgebirgische Osterdeko online kaufen

Figur Wendt & Kühn: Mädchen mit Ostereiern und Osterhasen

Sie möchten Ihr Zuhause für das bevorstehende Osterfest schmücken? In unserem Online-Shop finden Sie viele traditionelle Figuren aus dem Hause Wendt & Kühn, Leichsenring, KWO und Preißler – aber auch moderne Dekorationen (zum Beispiel von Hobler, Reichel und Martin) gehören zu unserem umfangreichen Oster-Sortiment.

Das Team vom Erzgebirgshaus wünscht Ihnen ein fröhliches Osterfest – genießen Sie die sonnigen Feiertage und bleiben Sie gesund!

Auf den Spuren von Bergbau und Volkskunst: Die schönsten Orte der Montanregion Erzgebirge

Schloss Schwarzenberg

Wir sind Weltkulturerbe! Im Jahr 2019 wurde die Bergbaulandschaft im Erzgebirge von offizieller Stelle als kulturell besonders wertvoll und erhaltenswert ausgezeichnet. Wir haben uns auf eine Reise zu den schönsten und bedeutendsten Schauplätzen der erzgebirgischen Tradition begeben und unsere sechs liebsten Orte gekürt.

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Auf den Spuren von Bergbau und Volkskunst: Die schönsten Orte der Montanregion Erzgebirge

Schloss Schwarzenberg

Im Jahr 2019 war es endlich so weit: Die Bergbaulandschaft des Erzgebirges mit ihren vielen technischen Denkmälern wurde zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die internationale Wertschätzung der Bergbaugeschichte ist für uns von besonderer Bedeutung, ist sie schließlich eng mit der Herausbildung erzgebirgischer Volkskunsttraditionen verwachsen.

Wer der starken Verbindung zwischen Bergbau und Kulturgut auf die Spur gehen will, für den haben wir die sechs geschichtsträchtigsten und schönsten Orte unserer Region zusammengestellt.

#1 Schwarzenberg, Perle des Erzgebirges

Schwarzenberg Panorama

Wo Schwarzwasser und Mittweida zusammenfinden, liegt die traditionsreiche Stadt Schwarzenberg, die ihren Beinamen nicht grundlos trägt. Ihr malerisches Panorama ist geprägt von steilen Felshängen, die sich wie ein Gürtel um die historische Altstadt mit Schloss und barocker Kirche schließen – ein unvergleichlicher Anblick.

Die Bergbaulandschaft Rother Berg nahe des Schwarzwasser gehört zu den UNESCO-Stätten der Region. Ab dem 13. Jahrhundert wurde hier insbesondere Roteisenerz gefördert und zur Weiterverarbeitung in den Erlahammer gebracht. Im zugehörigen Herrenhof wird die Tradition der Eisenverarbeitung auch heute noch in Ehren gehalten.

Während der Adventszeit, wenn die Bergparade sich ihren Weg durch die Altstadt Schwarzenbergs bahnt und der Weihnachtsberg typisch erzgebirgische Szenen zeigt, verwandelt sich ganz Schwarzenberg in ein Bekenntnis zur Bergbautradition.

#2 Johanngeorgenstadt, Stadt des Schwibbogens

Unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze ragt der Auersberg 1.018,2 m in die Höhe. Ihm zu Füßen liegt der Ort Johanngeorgenstadt. Mit dem Besucherbergweg Frisch Glück nennt die Stadt eine der ältesten Silbergruben des Erzgebirges ihr Eigen – und damit noch nicht genug. Auch die weltweit größte Weihnachtspyramide und der weltweit größte freistehende Schwibbogen mit dem traditionellen Bergmannsmotiv sind in Johanngeorgenstadt zu Hause. Letzterer besteht aus 700 Tonnen Stahlbeton und 15 Tonnen Edelstahl – ihren Beinamen hat sich die Stadt damit mehr als verdient.

#3 Seiffen, Wiege der Erzgebirgischen Volkskunst

Schwibbogen mit Seiffener Kirche

Zinn, Arsenkies, Kupferkies und Roteisenerz wurden in zahlreichen Orten des Erzgebirges abgebaut – so auch im sächsischen Seiffen. Nachdem die Zinnausbeute gegen Ende des 17. Jahrhunderts zurückging und der Bergbau mehr und mehr zum Erliegen kam, schufen sich die Einwohner Seiffens mit der Herstellung von Holzspielzeug ein zweites Standbein. Heute, mehr als 300 Jahre später, genießen die Erzeugnisse aus Seiffen weltweite Anerkennung.

Nicht nur bei der Herstellung von Holzspielzeug darf man in den Schauwerkstätten der Stadt zusehen, auch Pyramiden, Räuchermännchen, Schwibbögen und aus Holzreifen gedrehte Tierfiguren werden hier in liebevoller Handarbeit gefertigt.

Ein besonderes Schmuckstück und Wahrzeichen der Stadt ist die zwischen 1776 und 1779 erbaute Seiffener Kirche. Mit ihrem achteckigen Grundriss und dem verspielten Turm gehört die barocke Kirche zu den beliebtesten Motiven in der erzgebirgischen Holzkunst.

#4 Das Erzgebirge im Blick auf dem Fichtelberg

Fichtelberg

Mit 914 m thront Oberwiesenthal als höchstgelegene Stadt Deutschlands über dem Erzgebirge. Noch 300 m weiter nach oben, auf dem Fichtelberg, bietet sich ein unvergesslicher Blick auf die Städte und Wälder der gesamten Region.

Bis in das 19. Jahrhundert dominierte in und um Oberwiesenthal der Bergbau. Heute kennt man die Stadt vor allem wegen ihres vielseitigen Wintersport-Angebots. Im größten alpinen Skigebiet Sachsens dürfen sich Ski- und Snowboard-Fans auf zahlreiche Pisten und tolle Veranstaltungen (z. B. den Nachtskilauf) freuen.

#5 Annaberg-Buchholz und der Frohnauer Hammer

Frohnauer Hammer bei Nacht

Die Stadt Annaberg-Buchholz kennt man nicht nur als Wohnsitz des Rechenmeisters Adam Ries, sondern auch als historisches Zentrum des Silberbergbaus. Bedeutendster Zeuge der Marienberger Bergbautradition ist der sogenannte Frohnauer Hammer, eines der wenigen funktionsfähig erhaltenen Hammerwerke des Erzgebirges.

Als technisches Denkmal und UNESCO-Stätte liefert die Hammerschmiede einen detaillierten Einblick in die Geschichte des Bergbaus. Ihren Weg von Silber- über Kupfer- hin zum Eisenhammer kann man im zugehörigen Museumskomplex nachverfolgen. Bis heute haben mehr als 8 Millionen Menschen die originalgetreue Hammerwerkstechnik aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts besucht.

#6 Marienberg, Bergbautradition in Perfektion

Pferdegöpel Marienberg

Am 17. Juli 1519 fand Clemens Schiffel im Tal des Schlettenbachs das erste Silber. Von da an war die bergbauliche Erschließung Marienbergs nicht mehr aufzuhalten. Zahllose Bergleute strömten in die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt noch gar keine war, denn erst im Jahr 1523 erhielt Marienberg als Folge des regen Zuzugs sein Berg- und Stadtrecht.

Ihren Höhepunkt erreichte die Silberförderung um 1540. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt in der unmittelbaren Umgebung 559 Gruben.

Besondere Bedeutung in der Bergbaugeschichte kommt dem im Ortsteil Lauta gelegenen Rudolphschacht zu. Die UNESCO-Stätte zeigt eine beeindruckende Anlage aus längst vergessenen Tagen: den Pferdegöpel. In Zeiten ohne Dampfmaschine und Motor diente diese gigantische Holzkonstruktion unter anderem als Antrieb für die Beförderung von Materialien aus dem Bergewerkschacht ans Tageslicht. Verrichtet wurde diese Knochenarbeit von Pferden, die sich um einen festen Punkt im Kreis bewegten. Vielerorts wird vermutet, dass das charakteristische Aussehen des Pferdegöpels die Formgebung der Erzgebirgischen Weihnachtspyramide maßgeblich beeinflusste.

Ob das tatsächlich stimmt, und wo die kulturellen Ursprünge von Schwibbogen und Weihnachtsengel zu verorten sind, können Sie hier nachlesen:

Schwibbuung, Peremett und Bargmaa: Das steckt hinter dem traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsschmuck »