Echt Erzgebirge!
Der Blog rund um Volkskunst, Tradition und die typisch erzgebirgische Lebensart

Wir lieben das Erzgebirge – mit all seinen Schönheiten und Eigenarten. In unserem Blog plaudern wir ein wenig aus dem Räucherhäuschen und teilen unser Wissen rund um Volkskunst, Mundart und Brauchtum.

Mei Arzgebirg, wie bist du schie: Anton Günther, Portrait eines Erzgebirgischen Dichters

Baum auf Lichtung im Erzgebirge

Der Vatertag steht kurz bevor – und wir möchten ihn in diesem Jahr einem ganz besonderen Mann widmen: dem Volksdichter und Sänger Anton Günther. In seinen Liedern spiegelt sich die Schönheit der erzgebirgischen Natur und Lebensart. Und seine Werke gehörenzum Erzgebirge wie Bergmann und Schwibbogen.

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Mei Arzgebirg, wie bist du schie: Anton Günther, Portrait eines Erzgebirgischen Dichters

Baum auf Lichtung im Erzgebirge
Baum auf Lichtung im Erzgebirge

Am Donnerstag ist Vatertag – oder Männertag, wie man ihn in unserer Region eher nennt. Wir möchten diesen besonderen Tag zum Anlass nehmen, um vom Leben und Wirken eines ganz besonderen Mannes zu berichten. Eine Persönlichkeit, die die Kultur des Erzgebirges mit ihren Werken maßgeblich geprägt und die Schönheit unserer Region hinaus in die Welt getragen hat: der Volksdichter und Sänger Anton Günther.

Heute gehören die Werke von Anton Günther zur Erzgebirgischen Kultur wie Bergmann und Schwibbogen. In jungen Jahren wollte der berühmte Liedermacher aber lieber Förster werden, denn die erzgebirgischen Wälder, in denen er während seiner Kindheit viel Zeit verbrachte, weckten in ihm eine starke Liebe und Nähe zur Natur.

Im Jahr 1876 geboren und nahe des Keilbergs in Gottesgab (heute Boží Dar) aufgewachsen, kam der junge Anton Günther natürlich früh mit Musik in Berührung  – insbesondere durch seinen Vater, für den das Musizieren in Gesellschaft ein kleines Zubrot darstellte.

Vergass dei Haamit net: Die Erfindung der Liedpostkarte

Wald im Erzgebirge

Seinem Zeichentalent hatte Anton Günther es zu verdanken, dass er eine Lehre zum Lithografen absolvieren und ab 1895 im schönen Prag leben konnte. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war groß – und machte ihn zum Dichter. Gemeinsam mit anderen aus dem Erzgebirge stammenden Menschen traf er sich regelmäßig zum Singen und Musizieren. Begleitet wurden die selbst geschriebenen Lieder auf der Gitarre.

In dieser Zeit entstand mit „Drham is‘ drham“ (= Daheim ist daheim) eine der bekanntesten Dichtungen Günthers. Dass sich das Lied so großer Beliebtheit erfreute, brachte Günther auf eine Idee: Statt den Text immer wieder abzuschreiben, um ihn weiterzugeben, zeichnete er ihn auf Lithografie-Stein und ließ das Ergebnis drucken – die erste Liedpostkarte war geboren.

Im Jahr 1901 kehrte Anton Günther zurück nach Gottesgab, um sich nach dem Tod seines Vaters um seine Geschwister zu kümmern. Dort angekommen, verdiente auch er sich mit Auftritten als Sänger und Musiker etwas dazu – denn die kleine Landwirtschaft reichte nur schwerlich zum Überleben. Auch der Verkauf der Liedpostkarten brachte der Familie zu diesem Zeitpunkt bereits die eine oder andere Mark ein.

Bleib’n mr noch a weng do: Die Zeit der großen Erfolge

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Erzgebirge eine ausgesprochen beliebte Urlaubsregion. In den vollen Gaststätten sorgte Günther abends mit seinen Liedern für Unterhaltung – und hatte damit immer größeren Erfolg. Besungen wurde alles, was es über das Erzgebirge zu berichten gab – vom Schwamme-Sammeln über die Winterfreuden der Schneeschuhfahrer bis hin zur seligen Weihnachtszeit mit ihren vielen traditionellen Bräuchen. Vermutlich war es gerade diese Besinnung auf die freudebringenden Kleinigkeiten ihrer Welt, mit denen der Musiker die Menschen in seinen Bann zog.

Nach dem ersten Weltkrieg, den er als österreichischer Soldat an der serbischen Front miterlebte, waren die Lieder Anton Günthers beliebter denn je: Bei Auftritten in Berlin, Wien und Dresden begeisterte er auch das Publikum jenseits des Erzgebirges mit seiner Dichtung. Zu Hause konnte man die Lieder Anton Günters dank der Schellack-Schalplatten nun ebenfalls in voller Länge hören.

Der aufstrebende Nationalsozialismus ließ Günther zunehmend schwermütiger werden. Am 29. April 1937 nahm er sich schließlich das Leben. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn tausende Menschen, während mit dem Feierohmd-Lied eines seiner bekanntesten Werke erklang.

‘S hot jeder sei Freid: Anton Günther in der zeitgenössischen Kultur des Erzgebirges

Räuchermann Anton Günther

Zuerst lebten Anton Günthers Liebe zur Musik und zum Erzgebirge vor allem in seinem Sohn Erwin fort. Als Mundartsprecher des Volkskunst-Ensembles „Heiteres Erzgebirge“ trat er in die Fußstapfen seines Vaters und beteiligte sich außerdem maßgeblich daran, die Werke Günthers zusammenzutragen.

Von insgesamt ca. 140 überlieferten Liedern (davon 86 als Einheit von Text, Notensatz und Zeichnung) sind viele auch heute noch fester Bestandteil des erzgebirgischen Liederschatzes. Wer während des Männertags-Ausflugs mit der Musik Anton Günthers für traditionelle Unterhaltung sorgen will, findet viele seiner Werke mittlerweile sogar auf den bekannten Streaming-Plattformen.

Das Lebenswerk Anton Günthers würdigt man im Erzgebirge auf vielfältige Weise: Überall in den Städten und Wäldern verstreut finden sich Gedenksteine, die an den beliebten Künstler erinnern. Beim jährlichen Anton-Günther-Singen in Weipert werden die schönsten Lieder von Musikern der Region vorgetragen. Und natürlich befasst sich auch die Erzgebirgische Holzkunst mit ihm. Der Holzkunst-Hersteller KWO fertigt zum Beispiel einen Räuchermann, der ihm optisch bis ins Detail nachempfunden ist. Natürlich ist diese Figur auch in unserem Online-Shop erhältlich.

zum Räuchermann »

Danke, Mama! Vier einzigartige Geschenkideen für den Muttertag

Herzen aus Papier

Am Sonntag ist Muttertag! Wer seiner Mama, Schwiegermama oder Oma in diesem Jahr auf besondere Weise Danke sagen möchte, liegt mit Holzkunst aus dem Erzgebirge genau richtig. Bei uns finden Sie Klassiker und moderne Kreationen, die Mutterherzen höherschlagen lassen.

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Danke, Mama! Vier einzigartige Geschenkideen für den Muttertag

Herzen aus Papier

Am 10. Mai ist Muttertag – und damit der perfekte Anlass, um seiner lieben Mama, Schwiegermama oder Oma mit einem Präsent Danke zu sagen. Die aktuelle Situation macht es vielen Familien leider unmöglich, sich an diesem besonderen Tag persönlich in die Arme zu schließen. Kleine Gesten, die den Liebsten ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sind in diesen Zeiten umso bedeutsamer.

Wer nach einem außergewöhnlichen Muttertagsgeschenk sucht, das garantiert gut ankommt und nicht in Vergessenheit gerät, ist in unserem Online-Shop für Erzgebirgische Volkskunst genau richtig. Denn bei uns finden Sie viele kleine und große Aufmerksamkeiten, die Mutterherzen höherschlagen lassen.

Noch schöner als Blumen: Unsere Geschenkideen für den Muttertag

Klassisch, verspielt oder modern? Wir haben für jede Mutter passendes Präsent im Sortiment. Unsere liebsten Geschenkideen aus den Manufakturen des Erzgebirges möchten wir Ihnen heute vorstellen – lassen Sie sich inspirieren!

Schutzengel mit Herz

Geschenke mit Herz: Schutzengel von Günter Reichel

Für ein Kind ist die eigene Mutter ein echter Engel – sie spendet Trost, schenkt Sicherheit und bedingungslose Liebe. Mit den Schutzengeln aus der Manufaktur Günter Reichel können Sie Ihrer Mutter ein Stück dieser Zuneigung zurückgeben.

Die verspielten Engel mit dem süßen Gesicht gibt es in verschieden Größen und Ausführungen. Dank ihres kindlichen Charmes und den frischen Farben passen sie zu jedem Einrichtungsstil – perfekt als liebevolle Aufmerksamkeit für den Muttertag.

Unser Liebling für den Muttertag: der goldige Schutzengel mit einem großen Herz in den Händen.

Schutzengel von Günter Reichel entdecken »

Madonna mit Kind Wendt & Kühn

Zeitlos schön: Madonnen von Wendt & Kühn

Im Christentum symbolisiert die Madonna bedingungslose, reine Mutterliebe. Die Erzgebirgische Volkskunst greift das Motiv im Rahmen weihnachtlicher Darstellungen häufig auf – so auch die Kunsthandwerk-Manufaktur Wendt & Kühn.

Die reich bemalte Madonna mit Kind fügt sich harmonisch in den typischen Figurenstil des weltweit bekannten Herstellers ein und kann dank ihres zeitlosen Designs nicht nur in der Weihnachtszeit aufgestellt werden.

Weitere Figuren von Wendt & Kühn »

Räucherschnecke mit Herz

Liebe geht durch die Nase: Räucherschnecken von Kuhnert

Das Räuchermännchen gehört zu den absoluten Klassikern der Erzgebirgischen Holzkunst. Viele wollennauch während der Sommermonate nicht aufs Räuchern verzichten. Deshalb gibt es neben klassisch weihnachtlichen Männchen auch immer mehr Varianten, die das ganze Jahr über eine gute Figur machen.

Das perfekte Geschenk für alle Räucherfans unter den Mamas: die süßen Schnecken aus dem Hause Kuhnert. Ihr humorvolles Design und das freundliche Gesicht machen sie zum echten Blickfang und zaubern nicht nur Müttern ein Lächeln ins Gesicht.

Räucherkerzen in klassischen und außergewöhnlichen Duftrichtungen finden Sie natürlich ebenfalls in unserem Online-Shop für Erzgebirgische Volkskunst.

Zu unseren Crottendorfer Räucherkerzen »

Spieluhr Wendt & Kühn

Muttertagständchen mal anders: Spieluhren von Wendt & Kühn

Mit den Spieluhren von Wendt & Kühn treffen Sie am Muttertag ganz sicher den richtigen Ton! Die in liebevoller Handarbeit hergestellten Dosen lassen zauberhafte Melodien erklingen und sorgen so für unvergessliche Momente, die ans Herz gehen.

Spieluhren von Wendt & Kühn gibt es in verschiedenen Designs und Klangvarianten.  

In unserem Online-Shop für Erzgebirgische Volkskunst finden Sie noch viele weitere kleine und große Aufmerksamkeiten für den Muttertag! 

Alle Geschenkideen für den Muttertag auf einen Blick »

Tradition trifft Moderne: Erzgebirgische Volkskunst von Günter Reichel & Björn Köhler

Schutzengel mit Schirmen

Erzgebirgisches Kunsthandwerk muss nicht immer traditionell sein – das beweist die moderne Holzkunst von Günter Reichel und Björn Köhler. Mit außergewöhnlicher Formensprache und jungen Designs bringen diese beiden Hersteller frischen Wind in die Welt der Erzgebirgischen Volkskunst.

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Tradition trifft Moderne: Erzgebirgische Volkskunst von Günter Reichel & Björn Köhler

Schutzengel mit Schirmen
Schutzengel mit Blumen

Die Erzgebirgische Volkskunst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit mehreren Jahrhunderten wird im Erzgebirge geschnitzt, geklöppelt und gedrechselt. Weltweite Berühmtheit erlangte die Holzkunst mit klassischen Figuren, wie sie in den Manufakturen von Blank oder Wendt & Kühn hergestellt werden.

Doch das Handwerk im Erzgebirge steht keinesfalls still – in den vergangenen Jahren haben sich auch Hersteller am Markt etabliert, die die erzgebirgische Holzkunst neu interpretieren und klassische Motive ins Moderne übertragen.

Zwei dieser Hersteller sind Günter Reichel und Björn Köhler. Wir möchten heute einen genaueren Blick in die Manufakturen der beiden Kunsthandwerksbetriebe werfen.

Figuren von Günter Reichel: Kunsthandwerk mit kindlichem Charme

Schutzengel mit Herz

Die Manufaktur Günter Reichel gibt es seit mehr als 30 Jahren. Hier, im erzgebirgischen Pobershau, entsteht einzigartige Poesie aus Holz, in der Tradition und Moderne perfekt zusammenfinden.

Die gedrechselten Holzfiguren besitzen ein unverwechselbares Gesicht, das zeitlos und jugendlich zugleich ist. Die runden Grundformen, aus denen die Figuren gefertigt werden, verleihen ihnen eine kindliche Unschuld und Sorglosigkeit. Fröhliche Farben sind charakteristisch für die Kollektionen von Günter Reichel.

Die wohl beliebteste Figuren-Kollektion der Schutzengel® von Günter Reichel. Ihn gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen. Einzig die kleinen goldenen Flügelchen und das süße Lächeln haben alle Schutzengel gemein.

Schutzengel, Baumbehang & Schwibbögen: Vielfalt für jeden Anlass

Nicht nur himmlische und weihnachtliche Figuren gehören zum Sortiment von Günter Reichel. Auch wer nach passendem Schmuck für die Osterzeit oder einem individuellen Geschenk für Geburtstag, Schulanfang, Jubiläum oder Valentinstag sucht, wird hier fündig. Größere Erzeugnisse wie Schwibbögen und Schwibbögen sind ebenfalls Teil des Sortiments.

Alle Produkte von Günter Reichel auf einen Blick:

Glücksbär mit Laufrad

Das Wesentliche zählt: Minimalistische Figuren von Björn Köhler

Minimalistisches Kunsthandwerk liegt voll im Trend – und damit auch die außergewöhnlichen Holzfiguren von Björn Köhler. Die Figuren aus der Manufaktur im erzgebirgischen Eppendorf unterscheiden sich ganz erheblich vom traditionellen Formenschatz erzgebirgischer Volkskunst. Ihr Design ist reduziert, ohne dabei an Individualität und Eleganz zu verlieren.

Christi Geburt

Ein wichtiger Teil der Handschrift von Björn Köhler: Die meisten der Kunstwerke besitzen (von der oft genutzten roten Nase einmal abgesehen) keine oder nur sehr schlichte Gesichtszüge. Weniger ausdrucksstark macht das die Holzfiguren aber nicht – ganz im Gegenteil. Ihr stilisiertes Erscheinungsbild schenkt ihnen etwas Geheimnisvolles und Unkonventionelles. Belohnt wurde das berührende Design des Herstellers unter anderem Mit dem Designpreis des Verbands erzgebirgischer Kunsthandwerker.

Eine Besonderheit der Produkte von Björn Köhler sind die liebevoll gestalteten Zubehörteile, mit deren Hilfe sich einzigartige Szenen kreieren lassen. Aus geometrisch geformten Kulissen und stilgetreuen Pflanzen entstehen wundervolle Szenen für die persönliche Figurensammlung.

Mit Sorgfalt zur Perfektion: So entstehen Weihnachtsmänner, Eierköpfe und Gratulanten

Weihnachtsmann mit Kontrabass

Kunsthandwerk wird in der Manufaktur von Björn Köhler wörtlich genommen. Hier werden die Figuren vorwiegend in liebevoller Handarbeit gefertigt – von der ersten Skizze bis zum letzten Detail.

Mit dem zeichnerischen Entwurf einer neuen Figurenkreation beginnt der Zauber in der Manufaktur. Ist dieser perfektioniert, kommen sogfältig getrocknete heimische Hölzer zum Einsatz, um die Skizze in eine reale Figur zu verwandeln. Der Zuschnitt der Holzkanteln, das Aussägen der Konturen, das Formen der einzelnen Komponenten an der Drechselbank – all das passiert in der Manufaktur von Hand. Und auch das Zusammenfügen, Beizen, Lasieren, Schleifen und Lackieren verlangt nach meisterhaftem handwerklichem Geschick.

Ein besonderes Highlight der Produkte von Björn Köhler ist der herrlich coole Weihnachtsmann, der gern mit Sonnenbrille, Motorrad und anderen unkonventionellen Accessoires gesehen wird.

Zum Sortiment der Manufaktur Björn Köhler gehören folgende Kreationen:

Die nächste Generation Erzgebirgischer Volkskunst: Jetzt im Online-Shop kaufen

Ob die verspielten Figuren von Günter Reichel oder die frische Designsprache Björn Köhlers – in unserem Online-Shop für erzgebirgische Volkskunst finden Sie die ganze Vielfalt moderner Holzkreationen.

Hase, Ei und Osterbrunnen: Die bekanntesten Ostertraditionen und ihr Platz in der Erzgebirgischen Volkskunst

Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn

Nicht nur in der Weihnachtszeit wird im Erzgebirge geschmückt und gefeiert, auch das Osterfest ist mit vielen Traditionen rund um Hase und Ei verbunden. Original Erzgebirgische Figuren und Dekorationen dürfen da natürlich nicht fehlen!

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Hase, Ei und Osterbrunnen: Die bekanntesten Ostertraditionen und ihr Platz in der Erzgebirgischen Volkskunst

Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn
Erzgebirgische Osterdekoration von Wendt & Kühn

Wer an die erzgebirgische Kultur denkt, dem kommen wohl zuerst die typisch weihnachtlichen Bräuche und Dekorationen des Erzgebirges in den Sinn. Aber auch, wenn der Frühling erwacht, die Narzissen blühen und die Wiesen in frischem Grün erstrahlen, geht es im Erzgebirge traditionell zu. Besonders während der Osterzeit trifft man hier auf liebevolle Dekorationen, prachtvoll geschmückte Gärten und allerlei buntes Treiben.

Wir, das Team vom Erzgebirgshaus, wissen natürlich genau, was ein gelungenes Osterfest im Erzgebirge ausmacht!

So feiert man Ostern im Erzgebirge

Das Osterfest gehört im Erzgebirge zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres. Wie fast überall in Deutschland, kommt auch hier die Familie an den Feiertagen zusammen, um zu essen, zu feiern und kleine Geschenke zu verstecken. Zuvor verschönert man Haus und Garten liebevoll mit Erzgebirgischer Volkskunst und weiteren Dekorationen. Aufgestellt werden vor allem kleine Figuren wie Eier, Küken, Lämmer und Hasen. Als Baumschmuck kommen natürlich bunte Ostereier zum Einsatz.

Figur Wendt & Kühn: Junge mit Osterei

Wer es noch ein bisschen traditioneller mag, kann mit Osterschwibbögen, Osterspieldosen und Osterpyramiden für typisch erzgebirgische Stimmung sorgen. Auch die berühmten Blumenkinder von Wendt & Kühn eignen sich hervorragend als Osterdekoration.

Das Osterei: Symbolik und Verwendung im Erzgebirge

Die Büsche und Bäume im Außenbereich werden wie vielerorts mit bunten Ostereiern behangen – eine Tradition, die dem Christentum entspringt. Als Symbol des Lebens steht das Ei dort für die Auferstehung Jesu. Natürlich ist auch das Bemalen, Verstecken und Suchen von Ostereiern durchaus üblich. Und weil man im Erzgebirge nun mal gern aus Holz fertigt, gibt es bunt bedruckte Papp-Ostereier, die sich prima mit kleinen Leckereien befüllen und im Garten verstecken lassen.

Osterhasen in der Erzgebirgischen Volkskunst

Osterhase mit Lamm

Den überall gern gesehenen Osterhasen gibt es in allen erdenklichen Größen, Designs und Farben. Gefertigt wird er von vielen bekannten Herstellern, darunter zum Beispiel:

Für Sammelfreunde bringen diverse Hersteller jedes Jahr eine oder mehrere neue Hasenfiguren heraus.

Die Symbolik des Osterhasen ist (wie auch die des Ostereis) christlicher Natur. Aufgrund seiner starken Vermehrung steht der Hase stellvertretend für Fruchtbarkeit und wird seit dem späten Mittelalter als Symbol für das Leben und die Auferstehung verwendet.

Übrigens: Viele Hersteller Erzgebirgischer Volkskunst (z. B. Wendt & Kühn) bieten um die Osterfeiertage besondere Schautage an, bei denen man die Herstellung von Osterfiguren und anderen Dekorationen aus nächster Nähe beobachten kann – der perfekte Oster-Ausflug für große und kleine Fans der Erzgebirgischen Volkskunst.

Das Osterlamm als christliches Symbol im Erzgebirge

Im Christentum symbolisiert das Lamm die Reinheit und Unschuld. In der Osterzeit findet man es deshalb beinahe überall – zum Beispiel in Form von Osterbroten, die am Gründonnerstag gebacken und zum Osterfrühstück verspeist werden. Auch in der Erzgebirgischen Volkskunst sind Schafe und Lämmer ein beliebtes Ostermotiv.

Bunte Osterbrunnen um die Greifensteine und im Zwönitztal

Osterbrunnen

Der öffentliche Osterbrunnen ist eine noch recht junge Tradition des Erzgebirges, die ursprünglich aus der fränkischen Schweiz stammt. Mittlerweile sind die bunt geschmückten Brunnen aber auch in unserer Region ein echter Touristenmagnet. 

Brunnen und andere gewässernahe Bauwerke werden mit einer grünen Krone versehen, die wiederum selbst mit bunten, typisch österlichen Dekorationen verziert sind – in erster Linie kommen dafür Ostereier und farbige Bänder zum Einsatz. Besonders schöne Exemplare finden sich in Zwönitz und den dazugehörigen Ortsteilen.

Weshalb um die Osterzeit gerade Brunnen geschmückt werden, darüber streiten sich die Gelehrten. Zu vermuten ist aber auch hier ein Bezug zur Symbolik des Lebens. Ab Karsamstag bis zwei Wochen nach Ostern sind die geschmückten Brunnen in den Innenstädten zu finden. Das Aufsetzen der Krone ist ein feierlicher Akt und findet meist im Rahmen eines Ostermarktes statt.

Noch nicht geschmückt? Erzgebirgische Osterdeko online kaufen

Figur Wendt & Kühn: Mädchen mit Ostereiern und Osterhasen

Sie möchten Ihr Zuhause für das bevorstehende Osterfest schmücken? In unserem Online-Shop finden Sie viele traditionelle Figuren aus dem Hause Wendt & Kühn, Leichsenring, KWO und Preißler – aber auch moderne Dekorationen (zum Beispiel von Hobler, Reichel und Martin) gehören zu unserem umfangreichen Oster-Sortiment.

Das Team vom Erzgebirgshaus wünscht Ihnen ein fröhliches Osterfest – genießen Sie die sonnigen Feiertage und bleiben Sie gesund!

Vom Schachbrett zum Cherub: Die Geschichte der BLANK Faltenrockengel

BLANK Spieldose farbig

Es gibt sie mit langem oder kurzem Rock, mit Klarinette, farbig und holzfarben, mit Zugposaune oder Klarinette: Die Faltenrockengel von BLANK sind ein echter Klassiker des erzgebirgischen Kunsthandwerks. Die Geschichte ihrer Entstehung ist spannend, tragisch – und in jedem Fall sehr erzählenswert.

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Vom Schachbrett zum Cherub: Die Geschichte der BLANK Faltenrockengel

BLANK Spieldose farbig
Kurzrock-Schwebeengel mit Klarinette natur

Ob Langrockengel mit Zugposaune, Kurzrockengel mit Bratsche oder Schwebeengel mit Blockflöte: Die zierlichen Faltenrockengel von BLANK zählen zu den Klassikern der Erzgebirgischen Volkskunst. Doch dass sie heute ihren festen Platz in der Welt des Kunsthandwerks gefunden haben, ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Die Erfolgsgeschichte der gedrechselten Engel ist ebenso bewegt wie das Leben ihres Schöpfers, dem im Jahr 1904 geborenen Georg Beyer. Wir möchten heute seine Geschichte erzählen.

Georg Beyer und das Kunsthandwerk im Erzgebirge

Das handwerkliche Geschick Georg Beyers zeigte sich schon früh. Nicht ohne Grund entschloss er sich also im Jahr 1919 eine Drechslerlehre zu beginnen. Nur zwei Jahre nach Abschluss seiner Ausbildung war er bereits Werksleiter des Ausbildungsbetriebs im erzgebirgischen Grünhainichen.

Die enge Zusammenarbeit mit Gestalterinnen und Gestaltern half ihm dabei, sich auch selbst fundierte Designkenntnisse anzueignen. Darüber hinaus war er auch an der Entwicklung technischer Innovationen beteiligt – zum Beispiel der Fassondrehmaschine, die eine Serienfertigung von Drehteilen ermöglicht und noch heute im Kunsthandwerk zum Einsatz kommt.

Leider sollte das Leben Beyers nicht lange so unbeschwert bleiben. Nach Ende des zweiten Weltkriegst geriet er in Gefangenschaft. Seine Geschicklichkeit rettete ihm in dieser Zeit wahrscheinlich das Leben. Das Lager, in dem er inhaftiert war, verfügte über eine eigene Tischlerei. In dieser wurde er angestellt, was wahrscheinlich seine Deportation verhinderte.

Kluger Schachzug: Eine einzigartige Idee geht in Serie

Während seiner Gefangenschaft entwickelte Beyer etwas, das Geschichte schreiben sollte: ein Reiseschachkästchen mit steckbaren Figuren. Die Umstände der Figurenfertigung waren dabei mehr als widrig – sie entstanden auf einer umgebauten Nähmaschine. Für das Schnitzen der Kästchen mit Schubladen musste ein Rasiermesser herhalten.

Nach seiner Freilassung ging es für Georg Beyer wieder bergauf: Sein patentiertes Reiseschachspiel wurde in Serie gefertigt – ab 1948 sogar im eigenen Betrieb in Olbernhau (Erzgebirge). In dieser Zeit entstanden auch viele Holzfiguren, darunter Blumenkinder, Osterhasen und Zwerge. Die größte Faszination übte für ihn aber die Fertigung von Engelfiguren aus.

Kurzrockengel mit Bratsche

Inspiration, die Flügel verleiht: Die Geburt des Faltenrockengels

Seine Begeisterung für Engel brachte Georg Beyer zu einem Kinderbuch namens „Firlipuzzli“, in dem ein gleichnamiger Engel sich aufmacht, die Welt zu entdecken. Dieses Buch war Beyers wichtigste Inspiration – und ließ in ihm die Idee reifen, einen Engel mit Falten im Rock zu drechseln.

Was erst einmal hübsch klingt, war selbst für den erfahrenen Drechsler eine echte Herausforderung. Es brauchte viele durcharbeitete Nächte – und auch so manchen Fehlversuch – bis der erste Faltenrockengel das Licht der Welt erblickte.

Von da an ging es Flügelschlag auf Flügelschlag: Neben den Engelmusikanten trugen bald auch Blumenkinder und Gabenbringer den einzigartigen Faltenrock. Mit ihnen legte Beyer den Grundstein für eine Sammelserie, die weltweite Bekanntheit erlangen sollte.

Ein Freund, ein guter Freund: Himmlische Helfer in der Not

Obwohl sein Unternehmen stetig wuchs, war Beyers Erfolg nicht von langer Dauer. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Parteisekretär musste er seine Tätigkeit im Betrieb niederlegen. Wenigstens seine Entwürfe der Faltenrockengel durfte er glücklicherweise mitnehmen.

Kurt Lehnert, ein guter Freund Georg Beyers, half ihm dabei, nach diesem Rückschlag wieder Fuß zu fassen. Gemeinsam gründeten beide im Jahr 1955 die Heimatkunst Kurt Lehnert KG, Grünhainichen. Dort wurden sowohl Schach- als auch Engelfiguren hergestellt. Schnell wuchs das Unternehmen aus dem Erzgebirge auf 100 Mitarbeiter an.

Beyer, der sich stets auf Konfrontationskurs mit der SED befand, konnte die Verstaatlichung seines Betriebs im Jahr 1972 nicht verhindern, schlimmer noch: Im Jahr 1976 wurde er sogar entlassen. Zwar urteile ein Gericht, dass er wieder einzustellen sei, seine Position als technischer Direktor erhielt er aber nie zurück. 1985 starb er nach langer Krankheit.

BLANK Weihnachtspyramide natur

Drei Schutzengel fürs Familienerbe: Christine, Günther und Uwe Blank

Christine Blank, die Tochter Georg Beyers, verschrieb sich wie auch ihr Vater schon früh der Erzgebirgischen Holzkunst und arbeitete für viele Jahre mit ihrem Vater zusammen. Auch Günther Blank, ihr Ehemann, war lange Zeit in der Heimatkunst tätig. Im Jahr 1980 machte er sich selbständig – zuerst in Hennersdorf, ab 1882 mit einer Produktionsstätte in Grünhainichen, der Stadt der Engel. Dort wurde unter anderem auch die berühmte Glasglöckchenpyramide mit ihrem einzigartigen Klang gefertigt.

Nach zehn weiteren schwierigen Jahren war es die Wiedervereinigung, die der Familie Blank die Möglichkeit gab, das wertvolle Famlienerbe der Engel zu retten. Mit der Wende wurde das Unternehmen in den Familienbesitz zurückgeführt und die Herstellung der Kurzrock- und Langrockengel wiederaufgenommen.

Inzwischen war auch Uwe, der zweite Sohn Christine und Günther Blanks, in das Unternehmen eingetreten. Seine Ausbildung hatte der Holzspielzeugmacher in Seiffen absolviert. Von ihm wird die Kunsthandwerk-Tradition der Familie mittlerweile fortgeführt. Mehr als 70 verschiedene Engelmusikanten, 20 Schwebeengel, 40 Langrockengel, zahllose Blumenkinder und Kurzrockengel (farbig und in Naturholz) werden in Grünhainichen hergestellt und in die ganze Welt geliefert. Spieldosen, Adventsleuchter, Weihnachtspyramiden, Nussknacker und Schwibbögen komplettieren das Sortiment Erzgebirgischer Volkskunst.

Wir sind uns sicher: Könnte Georg Beyer einen Blick auf die nach seinem Vorbild liebevoll gefertigten Engel werfen – bestimmt wäre er himmlisch stolz auf seine Nachfahren.

Auf den Spuren von Bergbau und Volkskunst: Die schönsten Orte der Montanregion Erzgebirge

Schloss Schwarzenberg

Wir sind Weltkulturerbe! Im Jahr 2019 wurde die Bergbaulandschaft im Erzgebirge von offizieller Stelle als kulturell besonders wertvoll und erhaltenswert ausgezeichnet. Wir haben uns auf eine Reise zu den schönsten und bedeutendsten Schauplätzen der erzgebirgischen Tradition begeben und unsere sechs liebsten Orte gekürt.

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Auf den Spuren von Bergbau und Volkskunst: Die schönsten Orte der Montanregion Erzgebirge

Schloss Schwarzenberg

Im Jahr 2019 war es endlich so weit: Die Bergbaulandschaft des Erzgebirges mit ihren vielen technischen Denkmälern wurde zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die internationale Wertschätzung der Bergbaugeschichte ist für uns von besonderer Bedeutung, ist sie schließlich eng mit der Herausbildung erzgebirgischer Volkskunsttraditionen verwachsen.

Wer der starken Verbindung zwischen Bergbau und Kulturgut auf die Spur gehen will, für den haben wir die sechs geschichtsträchtigsten und schönsten Orte unserer Region zusammengestellt.

#1 Schwarzenberg, Perle des Erzgebirges

Schwarzenberg Panorama

Wo Schwarzwasser und Mittweida zusammenfinden, liegt die traditionsreiche Stadt Schwarzenberg, die ihren Beinamen nicht grundlos trägt. Ihr malerisches Panorama ist geprägt von steilen Felshängen, die sich wie ein Gürtel um die historische Altstadt mit Schloss und barocker Kirche schließen – ein unvergleichlicher Anblick.

Die Bergbaulandschaft Rother Berg nahe des Schwarzwasser gehört zu den UNESCO-Stätten der Region. Ab dem 13. Jahrhundert wurde hier insbesondere Roteisenerz gefördert und zur Weiterverarbeitung in den Erlahammer gebracht. Im zugehörigen Herrenhof wird die Tradition der Eisenverarbeitung auch heute noch in Ehren gehalten.

Während der Adventszeit, wenn die Bergparade sich ihren Weg durch die Altstadt Schwarzenbergs bahnt und der Weihnachtsberg typisch erzgebirgische Szenen zeigt, verwandelt sich ganz Schwarzenberg in ein Bekenntnis zur Bergbautradition.

#2 Johanngeorgenstadt, Stadt des Schwibbogens

Unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze ragt der Auersberg 1.018,2 m in die Höhe. Ihm zu Füßen liegt der Ort Johanngeorgenstadt. Mit dem Besucherbergweg Frisch Glück nennt die Stadt eine der ältesten Silbergruben des Erzgebirges ihr Eigen – und damit noch nicht genug. Auch die weltweit größte Weihnachtspyramide und der weltweit größte freistehende Schwibbogen mit dem traditionellen Bergmannsmotiv sind in Johanngeorgenstadt zu Hause. Letzterer besteht aus 700 Tonnen Stahlbeton und 15 Tonnen Edelstahl – ihren Beinamen hat sich die Stadt damit mehr als verdient.

#3 Seiffen, Wiege der Erzgebirgischen Volkskunst

Schwibbogen mit Seiffener Kirche

Zinn, Arsenkies, Kupferkies und Roteisenerz wurden in zahlreichen Orten des Erzgebirges abgebaut – so auch im sächsischen Seiffen. Nachdem die Zinnausbeute gegen Ende des 17. Jahrhunderts zurückging und der Bergbau mehr und mehr zum Erliegen kam, schufen sich die Einwohner Seiffens mit der Herstellung von Holzspielzeug ein zweites Standbein. Heute, mehr als 300 Jahre später, genießen die Erzeugnisse aus Seiffen weltweite Anerkennung.

Nicht nur bei der Herstellung von Holzspielzeug darf man in den Schauwerkstätten der Stadt zusehen, auch Pyramiden, Räuchermännchen, Schwibbögen und aus Holzreifen gedrehte Tierfiguren werden hier in liebevoller Handarbeit gefertigt.

Ein besonderes Schmuckstück und Wahrzeichen der Stadt ist die zwischen 1776 und 1779 erbaute Seiffener Kirche. Mit ihrem achteckigen Grundriss und dem verspielten Turm gehört die barocke Kirche zu den beliebtesten Motiven in der erzgebirgischen Holzkunst.

#4 Das Erzgebirge im Blick auf dem Fichtelberg

Fichtelberg

Mit 914 m thront Oberwiesenthal als höchstgelegene Stadt Deutschlands über dem Erzgebirge. Noch 300 m weiter nach oben, auf dem Fichtelberg, bietet sich ein unvergesslicher Blick auf die Städte und Wälder der gesamten Region.

Bis in das 19. Jahrhundert dominierte in und um Oberwiesenthal der Bergbau. Heute kennt man die Stadt vor allem wegen ihres vielseitigen Wintersport-Angebots. Im größten alpinen Skigebiet Sachsens dürfen sich Ski- und Snowboard-Fans auf zahlreiche Pisten und tolle Veranstaltungen (z. B. den Nachtskilauf) freuen.

#5 Annaberg-Buchholz und der Frohnauer Hammer

Frohnauer Hammer bei Nacht

Die Stadt Annaberg-Buchholz kennt man nicht nur als Wohnsitz des Rechenmeisters Adam Ries, sondern auch als historisches Zentrum des Silberbergbaus. Bedeutendster Zeuge der Marienberger Bergbautradition ist der sogenannte Frohnauer Hammer, eines der wenigen funktionsfähig erhaltenen Hammerwerke des Erzgebirges.

Als technisches Denkmal und UNESCO-Stätte liefert die Hammerschmiede einen detaillierten Einblick in die Geschichte des Bergbaus. Ihren Weg von Silber- über Kupfer- hin zum Eisenhammer kann man im zugehörigen Museumskomplex nachverfolgen. Bis heute haben mehr als 8 Millionen Menschen die originalgetreue Hammerwerkstechnik aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts besucht.

#6 Marienberg, Bergbautradition in Perfektion

Pferdegöpel Marienberg

Am 17. Juli 1519 fand Clemens Schiffel im Tal des Schlettenbachs das erste Silber. Von da an war die bergbauliche Erschließung Marienbergs nicht mehr aufzuhalten. Zahllose Bergleute strömten in die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt noch gar keine war, denn erst im Jahr 1523 erhielt Marienberg als Folge des regen Zuzugs sein Berg- und Stadtrecht.

Ihren Höhepunkt erreichte die Silberförderung um 1540. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt in der unmittelbaren Umgebung 559 Gruben.

Besondere Bedeutung in der Bergbaugeschichte kommt dem im Ortsteil Lauta gelegenen Rudolphschacht zu. Die UNESCO-Stätte zeigt eine beeindruckende Anlage aus längst vergessenen Tagen: den Pferdegöpel. In Zeiten ohne Dampfmaschine und Motor diente diese gigantische Holzkonstruktion unter anderem als Antrieb für die Beförderung von Materialien aus dem Bergewerkschacht ans Tageslicht. Verrichtet wurde diese Knochenarbeit von Pferden, die sich um einen festen Punkt im Kreis bewegten. Vielerorts wird vermutet, dass das charakteristische Aussehen des Pferdegöpels die Formgebung der Erzgebirgischen Weihnachtspyramide maßgeblich beeinflusste.

Ob das tatsächlich stimmt, und wo die kulturellen Ursprünge von Schwibbogen und Weihnachtsengel zu verorten sind, können Sie hier nachlesen:

Schwibbuung, Peremett und Bargmaa: Das steckt hinter dem traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsschmuck »

Kleine Engel, große Frauen: Die Erfolgsgeschichte von Margarete Wendt & Olly Kühn

Grünhainicher Engel

Seit mehr als 100 Jahren kennt man den Namen Wendt & Kühn als Hersteller gedrechselter Engelsfiguren auf der ganzen Welt. Ihren Anfang nahm die himmlische Tradition mit zwei Frauen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Ihre Geschichte ist so einzigartig wie jede der Figuren, die noch heute von Hand in der Manufaktur in Grünhainichen bemalt werden.

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Kleine Engel, große Frauen: Die Erfolgsgeschichte von Margarete Wendt & Olly Kühn

Grünhainicher Engel

Frauen, die ein Unternehmen führen – jüngsten Statistiken zufolge sind sie in Deutschland nach wie vor deutlich in der Unterzahl. Bei uns im Erzgebirge ist aber schon immer alles ein wenig anders gewesen. Und so überrascht es kaum, dass es zwei Frauen waren, die mit der weltweit bekannten Volkskunst-Manufaktur Wendt & Kühn eines der erfolgreichsten Unternehmen unserer Region gründeten.

Wir haben uns auf die Spur des erzgebirgischen Traditionsbetriebs begeben – und konnten in seiner Historie neben den beiden Gründerinnen noch weitere Protagonistinnen entdecken.

Zwei Frauen, eine Idee: Die Geburt und Kinderjahre von Wendt & Kühn

Im Jahr 1887 geboren, war Margarete „Grete“ Wendt, Tochter des Direktors der Staatlichen Spielwaren- und Gewerbeschule in Grünhainichen, schon als Kind mit den Abläufen des Drechselns und der Kunst der Holzbearbeitung vertraut. Als eine der ersten Frauen studierte sie von 1907 bis 1911 in der allgemeinen Schülerinnenabteilung an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden – noch ein Jahr früher wäre das nicht möglich gewesen.

Offiziell beginnt die Geschichte von Wendt & Kühn am 1. Oktober 1915 – dem Tag, an dem Grete Wendt und ihre Studienfreundin, die Architektentochter Margarete „Grete“ Kühn, ihren eigenen Betrieb ins Leben riefen. Die Idee hinter dem Unternehmen hatte es aber schon weitaus länger gegeben: Bereits im Jahr 1913 entwarf Grete Wendt eine Figurenserie namens Beerenkinder, die sie wenig später auf der Weltausstellung in Köln vorstellte. Stilbildend für die späteren Figuren war auch der 28er-Engel, den Wendt ihrem Bruder als Aufmerksamkeit zu Weihnachten an die Front schickte. Auch heute, mehr als 100 Jahre später, wird diese Figur noch in Grünhainichen hergestellt.

Bereits im Jahr nach der Unternehmensgründung präsentierten sich Wendt & Kühn mit ihren Produkten auf der Leipziger Messe – und zwar mit großem Erfolg. Aufgrund des Ersten Weltkriegs blieb die Auftragslage aber nicht lange so günstig. Über mehrere Jahre hinweg lag der Fokus des Betriebs tragischerweise vor allem auf der Fertigung von Grabmalen und Grabkreuzen.

Ein neues Gesicht, das Engelsgeschichte schreiben sollte: Olly Wendt wird Gestalterin bei Wendt & Kühn

Margeritenengel

Im Jahr 1919 trat Johannes Wendt als Buchhalter in das Unternehmen ein. Ein Jahr nach ihm erschien eine der bedeutendsten Personen der Unternehmensgeschichte in der Manufaktur: Olga „Olly“ Sommer, Absolventin der Dresdener Kunstgewerbeschule. Zuerst übernahm sie vor allem die Aufgaben von Mitgründerin Margarete Kühn. Diese schied mit ihrer Heirat im Jahr 1920 nämlich aus dem Unternehmen, weil eine verheiratete Frau zu dieser Zeit allein nicht geschäftsfähig war. Um eine Übernahme durch Außenstehende zu verhindern, einigten sich beide Frauen darauf, dass Kühn das Unternehmen verließ – Freundinnen blieben sie aber dennoch ein Leben lang.

Als Gestalterin und langjährige Weggefährtin von Grete Wendt prägte Olly Sommers Handschrift das Aussehen der Figuren maßgeblich – von der farbenreichen Gestaltung der Figuren bis hin zum Entwurf der noch heute beliebten Margeritenengel, eine Hommage an ihre baltische Herkunft.

In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche neue Figuren. Ein besonderer Meilenstein ereignete sich im Jahr 1925 mit dem Entwurf der ersten Grünhainicher Engel. Dabei handelte es sich um drei Figuren, die Fackel, Geige und Flöte in der Hand hielten. Ihre grünen Flügel mit elf kleinen Punkten sind noch heute markentypisch für die Figuren von Wendt & Kühn.

Himmlisch kreativ und international erfolgreich: Wendt & Kühn erlangt weltweite Bekanntheit

Mehr und mehr bildeten Grete Wendt und Olly Sommer, die im Jahr 1930 Johannes Wendt heiratete, den besonderen Stil heraus, der die Figuren auch heute noch einzigartig macht. Ihr Alleinstellungsmerkmal war vor allem, dass sie aus mehreren Drehformen zusammengesetzt wurden. Anders als die Figuren anderer Hersteller, verfügten sie nicht über flache Brettchenarme, sondern runde Konturen – und wirkten deshalb besonders lebendig.

Ein freudiges Ereignis wurde dem Familienunternehmen noch im selben Jahr beschert: Olly Wendt brachte Zwillinge zur Welt. Freilich wusste damals noch niemand, dass mit Sohn Hans Wendt der zukünftige Unternehmensnachfolger geboren worden war.

Die meisten der mehr als 2.500 Figurenentwürfe, Muster und Zeichnungen entstanden in den 20er- und 30er-Jahren. Bis heute wird dieser Schatz in den Gemäuern der Manufaktur in Grünhainichen bewahrt und behütet. 1937 reiste Grete Wendt mit ihrer Engelgruppe mit Madonna zur Weltausstellung nach Paris – und wurde dort mit der Goldmedaille und dem Grand Prix ausgezeichnet. Dieser Erfolg steigerte die internationale Bekanntheit der Engelmusikanten ganz immens, was Grete und Olly Wendt zugleich als Inspiration für neue Entwürfe nutzten. In dieser Zeit entstanden unter anderem die HolländerFiguren, der Luciazug und die Fischfrauen.

Von Freundschaft und Zusammenhalt: Wendt & Kühn im zweiten Weltkrieg und der DDR

Mit dem zweiten Weltkrieg begannen für das Unternehmen schwere Zeiten. Trotz ihres internationalen Erfolgs standen die zarten Figuren zu stark im Kontrast zum nationalsozialistischen Zeitgeist. Hinzu kam ein zunehmender Mangel an Arbeitskräften und Materialien, der die Produktion erschwerte. Die Folge: Einige Jahre lang wurden in der Manufaktur vor allem Modelle von Schiffen und militärischen Fahrzeugen hergestellt – die direkte Beteiligung an der Rüstungsindustrie konnte glücklicherweise abgewendet werden.

Im September 1945 folgte der wohl härteste Schicksalsschlag des Unternehmens: Johannes Wendt wurde in ein Internierungslager verschleppt und starb wenig später in Tscherepowez.

In den weiteren schwierigen Jahren der Enteignung und Verstaatlichung hielt die Engelfamilie fest zusammen. Die Leitung des Betriebs übergab Grete Wendt im Jahr 1957 vertrauensvoll in die Hände von Sohn Hans, der auch unter der Regierung der SED weiter als Betriebsdirektor im Unternehmen bleiben konnte. Während sich Wendt mehr und mehr aus dem Geschäft zurückzog, blieb Olly Wendt bis ins stolze Alter von 87 Jahren Teil der Manufaktur. Insgesamt verbrachte sie 63 Jahre als Gestalterin im Betrieb. Viele Ihrer Entwürfe sind heute als Exponate in den wichtigsten volkskundlichen und kunstgewerblichen Museen Sachsens zu finden.

Die Tradition lebt weiter: Zeitlose Schätze und frische Ideen bei Wendt & Kühn

Grünhainicher Engel mit Flöte

Heute kennt man das Vermächtnis von Grete Wendt, Grete Kühn und Olly Wendt auf der ganzen Welt. In dritter Generation haben sich Claudia Baer, geb. Wendt, und Dr. Florian Wendt mit der Übernahme der Geschäftsleitung im Jahr 2011 den Grundwerten des Unternehmens verpflichtet. Behutsam und mit traditionsbewusstem Blick entwickeln sie das Figurensortiment weiter.

Damals wie heute werden die Produkte von Wendt & Kühn in liebevoller Handarbeit gefertigt – in demselben Fachwerkhaus, das die Firmengründerinnen kurz nach der Gründung erstanden hatten.

In unserem Online-Shop entdecken Sie die vielfältige Produktauswahl von Wendt  Kühn – vom klassischen Blumenkind bis hin zu modernen Kreationen. Schauen Sie doch mal vorbei und finden Sie Ihre Lieblingsfigur!

In der Weihnachtsbäckerei: Der erzgebirgische Stollen im Portrait

Stollen

Weihnachten steht vor der Tür! Und spätestens am 25. Dezember werden bei uns im Erzgebirge die Christstollen angeschnitten. Wir können es kaum noch erwarten, uns das erste Stück schmecken zu lassen. Damit die Zeit bis dahin ein bisschen schneller vergeht, haben wir uns die Geschichte und Besonderheiten der traditionellen Köstlichkeit einmal genauer angesehen.

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In der Weihnachtsbäckerei: Der erzgebirgische Stollen im Portrait

Stollen

Die einen mögen ihn traditionell und mit möglichst dicker Butter-Zucker-Schicht, die anderen lieber extravagant mit Marzipan oder Mandeln: So oder so – der Stollen gehört zur erzgebirgischen Weihnachtskultur wie das Raachermannl und die Mettenschicht. Traditionell wird das brotförmige Gebäck am ersten Advent angeschnitten, mancherorts sogar erst zum ersten Weihnachtsfeiertag. Warum das so ist, wie der Stollen seinen Namen erhielt und was ein kleines Metallschild im Laib zu suchen hat, wissen unsere Spezialisten für erzgebirgische Weihnachtstraditionen.

Stollen

Der Weihnachtsstollen: Naschwerk für die Bergleute oder Sinnbild aus dem Christentum?

Warum der Stollen Stollen heißt und wie er sich seinen Platz auf der weihnachtlichen Kaffeetafel sichern konnte, dafür gibt es gleich mehr als nur eine mögliche Erklärung. Eine von ihnen bezieht sich auf den Bergbau und die Annahme, dass seine Form das Mundloch des tatsächlichen Stollens symbolisiert. Als gehaltvolle Nascherei für die Bergleute soll das Gebäck sich wegen seines saftigen Teigs, der nicht so schnell austrocknet oder verdirbt, besonders gut geeignet haben. Historisch belegt ist diese Theorie nicht – eine andere hingegen schon:

Im Jahr 1329 unterschrieb Heinrich I. von Grünberg die Urkunde zur Gründung der Naumburger Bäckerinnung – und erwähnte darin einige Pflichten, denen die Bäcker als Innungsmitglied nachzukommen haben. Eine dieser Pflichten war es, „an des heiligen Cristus Abende zwey lange weyssene Brothe, die man Stollen nennet“, zu backen. Im Althochdeutschen meint das Wort Stollen so viel wie Stütze oder Pfosten, was als Referenz auf die Form der Brote verstanden werden kann.

Die Rezeptur des Weihnachtsgebäcks hat sich seitdem natürlich stark verändert – seine pfostenartige Form ist aber die gleiche geblieben, weshalb der Stollen auch heute noch seinen Namen trägt.

Krippe aus Holz

Mit dem Christentum steht der Stollen in einer engen Verbindung – und reiht sich damit in andere religiös begründete und durch die reformatorische Bewegung gestärkte Backwaren wie den Niklaszopf, das Reformationsbrötchen, Martinshörnchen und Osterlamm ein. 

Der brotförmige Stollen mit seiner weißen  Zuckerschicht symbolisiert das in helle Tücher gewickelte Christkind. Ursprünglich durfte er tatsächlich erst am ersten Weihnachtsfeiertag zu Ehren der Geburt Jesu verzehrt werden – viele können der köstlichen Versuchung heute aber nicht mehr so lange widerstehen, weshalb die meisten Stollen bereits zum ersten Advent angeschnitten werden.

Butter, Zucker und Engelsgeduld: So entsteht ein echter Weihnachtsstollen

Die Grundlage jedes Stollens ist ein schwerer, süßer Hefefeinteig. Der Anteil der Grundzutaten variiert dabei von Rezept zu Rezept. Typisch für das Gebäck sind Einlagen wie Rosinen, Sultaninen und Korinthen. Hinzu kommen traditionell noch Zitronat und Orangeat, Mandeln und verschiedene Gewürze.

Stollenteig wird geknetet

Die Herstellung des Stollens ist recht aufwendig: Der Teig muss mehrmals gehen, das lange Kneten verlangt Muskelkraft und Geduld. Seine charakteristische Form erhält das Gebäck in der Regel nicht durch eine Form, sondern von Hand – deshalb sieht kein Stollen aus wie der andere.

Gebacken wird der Stollen bei mäßig starker, fallender Hitze. Bevor der Laib ganz erkaltet ist, wird er mit zerlassener Butter bestrichen, dick mit Zucker bestreut, nochmals gebuttert und abschließend mit Puderzucker verfeinert. Vor dem Anschneiden sollte er noch mindestens einen Tag ruhen.

Neben dem klassischen Butterstollen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Sorten mit besonderen Zugaben – zum Beispiel Quarkstollen, Mandelstollen, Marzipanstollen, Mohnstollen und Nussstollen.

Als besonders edel gilt übrigens der international bekannte Dresdner Christstollen mit seinem hohen Anteil an Butter und Einlagen. Seit 2010 ist sein Name sogar geografisch geschützt – ein Dresdner Stollen kommt also immer auch aus dem Großraum Dresden. Ebenso verhält es sich mit dem Erzgebirgischen Weihnachtsstollen, der ausschließlich in der Region und nach altem Originalrezept hergestellt werden darf.

Was macht das Metallschild im Weihnachtsstollen?

Zum Bäcker gehen und einen Stollen kaufen – das ist heute eine Selbstverständlichkeit. Früher war es im Erzgebirge hingegen üblich, dass jede Familie ihren Stollenteig nach eigenem Rezept vorbereite und vom Bäcker backen ließ. Damit es in der Backstube nicht zu folgenschweren Verwechslungen kam, wurde der Laib durch ein kleines Metallschild mit Namensgravur markiert – eine Tradition, die bis nach der Wiedervereinigung noch vielerorts erhalten blieb.

Oh, es riecht gut: Das Erzgebirgshaus wünscht köstliche Weihnachten!

Weihnachtskugel am Tannenbaum

Mit diesem kleinen kulinarischen Einblick wünschen wir allen Freunden der erzgebirgischen Back- und Volkskunst einen gemütlichen vierten Advent und ein besinnliches Weihnachtsfest – am besten typisch erzgebirgisch mit hell erleuchteten Fenstern, saftigem Stollen und natürlich einem nebelnden Raachermannl.

Schwibbuung, Peremett und Bargmaa: Das steckt hinter dem traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsschmuck

Schwibbogen

Es ist wieder soweit: Der erste Advent naht – und es wird höchste Zeit, Haus und Fenster mit traditionellem Weihnachtsschmuck zu dekorieren. Aber weshalb ist der Schwibbogen eigentlich rund? Und wie kam die Pyramide ausgerechnet ins Erzgebirge? Fragen über Fragen – auf die wir natürlich die Antwort kennen. Was es mit den erzgebirgischen Dekorationen auf sich hat, verraten wir rechtzeitig, bevor die erste Kerze angezündet wird.

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Schwibbuung, Peremett und Bargmaa: Das steckt hinter dem traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsschmuck

Schwibbogen

Gahr for Gahr gieht’s zun Advent off‘n Bud‘n nauf: Wenn der erste Schnee fällt, die Fenster hell erleuchtet sind und köstlicher Weihrauchduft den Raum erfüllt, ist sie endlich da – die wunderbare Adventszeit. Bei uns im Erzgebirge sind die Wochen vor dem Weihnachtsfest eine ganz besondere Zeit mit zahlreichen Bräuchen. Zu den bedeutendsten Traditionen zählt das alljährliche Mannle Wecken vor dem ersten Advent. Dabei werden Schwibbögen, Pyramiden, Bergmänner, Engel und natürlich auch das eine oder andere Raachermannl aus der Kiste geholt, um damit Fenster und Wohnung zu dekorieren.

Beim diesjährigen Aufstellen des Weihnachtsschmucks gingen uns ein paar Fragen durch den Kopf. Warum sieht ein Schwibbogen eigentlich so aus, wie er aussieht? Wer hat die Pyramide ins Erzgebirge gebracht? Und wieso stehen in manchen Fenstern gleich drei Bergmänner? Wir vom Erzgebirgshaus haben uns die Geschichte der Erzgebirgischen Volkskunst einmal genauer angeschaut – und dabei allerhand Wissenswertes herausgefunden.

Lichterglanz erhellt die Welt: Der Schwibbogen und seine Entstehung

Schwibbogen

Beinahe alle Traditionen des Erzgebirges lassen sich mit der Geschichte des Bergbaus in Verbindung bringen – so auch der Brauch, einen Schwibbogen ins Fenster zu stellen. Weil die Bergleute nämlich den Großteil ihrer Zeit unter Tage verbrachten, bekamen sie insbesondere in den Wintermonaten kaum Licht zu Gesicht. Deshalb erhellten die Menschen in den erzgebirgischen Dörfern ihre Fenster, um die Bergmänner auf ihrem Arbeitsweg mit dem warmen Glanz des Lichtes zu erfreuen und ihnen den Weg nach Hause zu weisen.

Das Wort Schwibb stammt aus dem Bereich der Architektur. Der Begriff Schwibbogen bezeichnet dort Bauelemente, die ein bogenförmiges Strebewerk bilden. Für die Entstehung der namensgebenden Form des Schwibbogens gibt es verschiedene Theorien. Im Halbrund kann einerseits das Mundloch eines Stollens gesehen werden. Andererseits legen die vorwiegend christlichen Motive der ersten Schwibbögen nahe, dass die Form den Himmelsbogen symbolisieren soll.

Übrigens: Der älteste erhaltene Schwibbogen stammt aus dem Jahr 1740 und wurde (wie beinahe alle vor dem 20. Jahrhundert entstandenen Schwibbogen) aus Metall gefertigt. Heute bestehen Schwibbögen für den Innenraum in der Regel aus Holz und sind nicht mit Kerzen, sondern elektrisch beleuchtet.

360° Weihnachtsglück: Die Pyramide

Sie leuchtet hell, dreht sich um sich selbst und bringt nicht nur Kinderaugen zum Leuchten – die kunstvoll verzierte Weihnachtspyramide gehört in die Adventszeit wie griene Kließ zur Schwammebrieh. Ihre Basis ist eine vier- bis achteckige Grundplatte aus Holz, im Inneren befinden sich geschnitzte oder gedrechselte Figuren. Angetrieben wird die märchenhafte Konstruktion durch an den Außenseiten angebrachte Kerzen, die die umgebende Luft erwärmen. Steigt diese auf, wird das Flügelrad der Pyramide in Bewegung versetzt – und die Faszination beginnt.

Pyramide auf dem Weihnachtsmarkt Annaberg-Buchholz
Pyramide auf dem Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz

Ihren Ursprung findet die traditionelle erzgebirgische Holzpyramide in den Lichtergestellen des 18. Jahrhunderts. Dabei handelte es sich um vier zusammengebundenen Stäbe, die mit Zweigen umwunden und mit Lichtern geschmückt wurden. Und wieder einmal waren es die Bergleute aus dem Erzgebirge, die die Form weiterentwickelten. Sie fühlten sich an den Pferdegöpel (= Schachtförderanlage) erinnert und stellten geschnitzte Holzfiguren in das Stabgestell.

Ihren großen Durchbruch erlebte die Pyramide mit der Entdeckung des Paraffins und der daraus resultierenden Massenfertigung von Kerzen. Mit ihnen war endlich ein günstiger Antrieb für die Weihnachtspyramide gefunden.

Heute gibt es Pyramiden in allen erdenklichen Größen – von der einstöckigen Pyramide für den Weihnachtstisch über mehrstöckige Modelle bis hin zur Großpyramide auf dem Marktplatz.

Bergmann und Weihnachtsengel: Symbolfiguren des Erzgebirges

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Engel & Bergmann mit Beleuchtung

Der Steiger kommt – und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezünd’t. Der Bergmann ist die zentrale Symbolfigur der Erzgebirgischen Volkskunst und findet sich deshalb auf Pyramiden, Schwibbögen und als geschnitzte/gedrechselte Holzfigur. Üblicherweise trägt er weiße Hosen, einen schwarzen Kittel, Latz und Hut. In seinen Händen hält er ein Licht – für die erzgebirgischen Bergleute ein Sinnbild des Lebens.

Eine nicht minder große Symbolkraft besitzt der Lichterengel. Obgleich sein Ursprung religiöser Natur ist, findet man ihn häufig als weibliches Pendant an der Seite des Bergmanns. In seinen Händen hält der Engel zumeist ein oder zwei Lichter, seine Flügel sind kunstvoll verziert.

Süße Tradition: Gibt es bei einer Familie im Erzgebirge Nachwuchs, so erhält das Neugeborene als erste Gabe (je nach Geschlecht) entweder einen Bergmann oder einen Engel. Dieser wird dann ins Fenster gestellt – so kann man im Vorbeigehen sehen, wie viele Kinder eine Familie hat – und wie viele davon Mädchen und Jungen sind.

Erzgebirgische Volkskunst online kaufen: Natürlich im Erzgebirgshaus

Wir wissen jetzt, welche Traditionen sich hinter dem erzgebirgischen Weihnachtsschmuck verstecken – und freuen uns gleich noch viel mehr aufs Dekorieren der Räume und Fenster. Wer beim diesjährigen Schmücken bemerkt hat, dass hier und dort noch echt erzgebirgische Weihnachtsdeko fehlt, der sollte unbedingt in unserem Online-Shop vorbeischauen. Hier wartet eine große Auswahl klassischer und moderner Holzkunst von Wendt & Kühn, Björn Köhler, Blank und Günter Reichel darauf, ihre Umgebung mit ihrem märchenhaften Charme zu verzaubern.